Von einem Mann, der als Erzieher arbeiten wollte… [Offener Brief]

[Nachtrag] Wie das manchmal so ist: Wir ärgern uns seit Wochen und versuchen alles mögliche, ohne Erfolg. Kaum machen wir uns Luft, scheint sich schon alles aufzulösen 👌 Wir bekamen inzwischen Nachricht, dass der Stichtag für die nebenberufliche Ausbildung aufgehoben wurde. Mein Mann darf sich neu bewerben 👍 Danke für eure vielen Kommentare und eure Anteilnahme. Ihr seid toll 🌸🌸🌸

— hier folgt der ursprüngliche Beitrag —

Heute möchte ich euch einen Brief nicht vorenthalten, den ich als E-Mail an unseren sächsischen Ministerpräsidenten Kretschmer geschickt habe. Ist es übertrieben, sich direkt an ihn zu wenden? Vielleicht. Aber auch wenn es wie ein winziges Problem für den Freistaat ausschaut, für uns ist eben ein riesiges und sehr frustrierendes Problem. Ein Problem, das garantiert noch andere Familien haben.

GIch finde, ein Ministerpräsident, der in Bildung investieren will, sollte darüber informiert werden, wenn Menschen als Erzieher arbeiten wollen, aber ihnen so große Steine in den Weg gelegt werden. Dabei geht es um meinen Mann, der aktuell im Hortbereich arbeitet – aber nicht mehr lange, denn sein Vertrag ist befristet und obwohl die Schule ihn behalten will, wird er sich spätestens Ende des Jahres eine neue Arbeit suchen müssen. Braucht es keine motivierten Erzieher?

Hier der Brief:

Sehr geehrter Ministerpräsident Kretschmer,

Sie sagen „Ich möchte, dass in Sachsens Schulen und Kitas Menschen heranwachsen, die ihre Leben selbstbestimmt meistern und gestalten können.“

Was sagen Sie aber zu der Frage, ob es in Dresden inzwischen genügend Erzieherinnen und Erzieher gibt, um das zu stemmen? Herrscht derzeit ein Erziehernotstand? Oder ist er zukünftig zu erwarten?

Ich schreibe Ihnen, weil wir langsam den Eindruck gewinnen, es gäbe genug Erzieher. Meinem Mann, der als Hort-Betreuer arbeitet, werden nämlich in Dresden massiv Steine in den Weg gelegt. Freunde sagen, es liegt daran, dass er ein Wessi ist. Oder daran, dass er den falschen Nachnamen trägt (Kadić klingt eben nicht deutsch)…

Worum geht´s?

Mein Mann (Vater von zwei Töchtern) arbeitet seit 2010 als „pädagogischer Mitarbeiter“ im Hort-Bereich. Zunächst in Weilerswist und dann im sozialen Brennpunkt Bonn Tannenbusch. Nun zogen wir nach Dresden, wo er am 15.07.2018 bei der Stadt Dresden im Hortbereich angestellt wurde. Gern wollte er direkt die Chance nutzen und die nebenberufliche Erzieherausbildung absolvieren, doch 2018 war es nicht möglich, weil er zu kurz erst angestellt war.

Sein Wunsch 2019: die Erzieherausbildung nebenberuflich ab August zu beginnen.

Seine Qualifikationen: jahrelange Erfahrung im Hortbereich, sogar an verschiedenen Schulen. Eine Ausbildung zum Mediengestalter, ein Philosophiestudium, Fortbildungen im Erzieher-Bereich

Das Problem: Er hätte schon am 01.07.2018 bei der Stadt Dresden angestellt sein müssen, um die Ausbildung machen zu können. Da er zwei Wochen später erst angestellt wurde, wird ihm die Möglichkeit der Ausbildung verwehrt. Die Stadt gibt an dieser Stelle nicht nach und beharrt auf dem zu späten Einstellungs-Datum. (Dass er erst am 15.07.2018 angestellt worden ist, lag an Verzögerungen seitens der Stadt Dresden. Ursprünglich war ihm mündlich zugesichert worden, dass sein Arbeitsvertrag auf den 01.07.2018 datiert sein würde. Auch das spielt keine Rolle.)

Problem 2: Die Stadt Dresden befristet seinen Arbeits-Vertrag nur bis Dezember 2019. Der Vertrag kann nur für Hort-Erzieher verlängert werden, welche die Erzieher-Ausbildung absolvieren… Ab Januar nächsten Jahres darf er nicht mehr auf seiner Stelle arbeiten.

Und nun?

  • Er hat natürlich versucht Widerspruch einzulegen (Das wurde abgelehnt).
  • Der Personalrat hat sich für ihn eingesetzt.
  • Auch die Hort-Leitung machte sich stark.
  • Ein Empfehlungsschreiben der Hort-Leitung liegt der Stadt Dresden vor.

Es ändert nichts…

Wir fragen uns jedenfalls: Wie schlimm ist der Erziehernotstand wirklich? Braucht es keine motivierten Erzieher?

Uns interessiert Ihre Meinung zu dem Thema.

Mit freundlichen Grüßen

Nadine Kadić


eure

Schriftzug Dresden Mutti

8 Kommentare zu „Von einem Mann, der als Erzieher arbeiten wollte… [Offener Brief]

Gib deinen ab

  1. Hoffentlich klebt sich Herr Kretschmer diesen Brief an den Spiegel. Solltet Ihr Unterschriften brauchen, ich unterschreibe gerne! Es ist unglaublich, lieber Arbeitslose produzieren, als nur ein Jota vom „vorgeschriebenen“ Weg abzuweichen. Ich jedenfalls drücke die Daumen! Lasst uns wissen, ob es klappte! 🙂

    Liebe Grüße, Werner

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    1. Hallo Werner, ich danke dir für deinen Kommentar. Ich bin nicht sicher, ob so ein Brief der richtige Weg ist, aber wir kommen allein nicht mehr weiter, da Schulleitung und Personalrat ja schon längst auf seiner Seite sind. Viele Grüße, Nadine

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  2. Toll, dass ihr aktiv werdet! Viele würden sich einfach ärgern und auf die Politik schimpfen und sonst nichts zu tun. Aber so ändert sich ja nichts!

    Ich bin wirklich gespannt, ob und welche Reaktion kommt. Du kannst ja mal berichten 🙂

    Liebe Grüße,
    EsistJuli

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    1. Hallo EsistJuli, danke für dein Feedback. Tatsächlich bringt es was, sich Hilfe zu suchen. Das habe ich direkt gemerkt. Man sollte sich Situationen nicht einfach hingeben, sondern darf sich auch an politische Vertreter wenden. Bei uns tut sich jetzt was 🙂 Liebe Grüße, Nadine

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  3. Ja, ich finde es auch toll und mutig, dass ihr diesen offenen Brief schreibt und du ihn auch hier im Netz veröffentlichst. Ob das als „öffentlicher Druck“ ausreicht? Bei uns in der Schule mussten auch schon engagierte und beliebte Vertretungslehrer/innen gehen, weil ihnen eine formale Qualifikation fehlte. Und dann wurde für die Stelle wenig später jemand Neues eingestellt…
    Ja, berichte gern, was sich weiter ergibt. Drücke die Daumen! Lg, Sarah

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    1. Hi Sarah, es ist wirklich schade, wenn fähige Menschen aus solchen Gründen gehen müssen. Qualifikationen müssen sich nachholen lassen… in unserem Fall sieht es aktuell wieder ganz gut aus; mein Mann kann sich nochmal auf die Ausbildungsstelle bewerben. Viele Grüße, Nadine

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