Erzieherausbildung in Sachsen – Infos, Tipps & Erfahrungen

Mein Mann hat im Sommer 2019 mit seiner nebenberuflichen Ausbildung zum Erzieher begonnen – und es ist wirklich eine schöne und anspruchsvolle Berufung. Da wir im Vorfeld viel recherchiert haben und inzwischen über wertvolle Erfahrungen verfügen, möchte ich das Wissen mit allen teilen, die ebenfalls diesen Weg einschlagen wollen.

Gerade Eltern, die sich beruflich umorientieren möchten, denken häufig über eine Ausbildung zum Erzieher/zur Erzieherin nach. Sie haben ihr Interesse an kleinen Menschen und deren Erziehung für sich entdeckt. Zudem werden Erzieher*innen händeringend gesucht, man kann an vielen verschiedenen Arbeitsplätzen arbeiten (KiTa, Schule, Kinderheime…), häufig auch in Teilzeit und der Arbeitsplatz ist recht sicher.

Varianten der Ausbildung zum Erzieher in Sachsen

Wer sich in Sachsen zum Erzieher oder zur Erzieherin ausbilden lassen möchte, hat diese zwei Möglichkeiten:

  • Erzieher-Ausbildung in Vollzeit
  • berufsbegleitende Erzieher-Ausbildung in Teilzeit

Wie unterscheiden sich die Vollzeit- und die Teilzeit-Ausbildung zum Erzieher?

 „Normale“ Ausbildung berufsbegleitende Ausbildung
AusbildungsortFachschulen für SozialwesenFachschulen für Sozialwesen
Arbeitsortkeiner (rein schulische Ausbildung)Kindergarten, Schule, usw.
Ausbildungsdauer3 Jahre4 Jahre
ArbeitszeitVollzeitmind. 20 Wochenstunden
Praktikum1 Orientierungspraktikum (2 Wochen), 3x Blockpraktikum (jeweils 11, 12 & 14 Wochen)1 Blockpraktikum (12 Wochen)
Kosten50-250 €/Monat je nach Fachschule0-250 €/Monat je nach Fachschule
Einnahmenkeinefestes Gehalt
Abschlussin allen Bundesländern anerkanntin allen Bundesländern anerkannt
Arbeitsfeldin allen sozialpädagogischen Einrichtungenin allen sozialpädagogischen Einrichtungen

Die Voraussetzung für den Beginn einer Ausbildung zum Erzieher sind in beiden Fällen:

  • Realschulabschluss
  • ausreichende Deutschkenntnisse
  • eine einschlägige, 2-jährige Ausbildung z. B. zum Sozialassistenten*

Wer die Ausbildung zum Sozialassistenten nicht gemacht hat, kann als Quereinsteiger Erzieher werden, wenn er eine dieser Alternativen vorweisen kann:

  • eine andere 2-jährige Berufsausbildung + 2 Jahre Berufserfahrung
  • eine andere 2-jährige Berufsausbildung + 1 Jahr einschlägige Berufserfahrung z.B. in der Altenpflege
  • 7 Jahre Berufserfahrung in einer erziehenden oder pflegenden Tätigkeit
  • Fachoberschulabschluss in der Fachrichtung Gesundheit & Soziales

Gut zu wissen: Als Berufserfahrung zählen auch soziale und pflegende Tätigkeiten eines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) oder des Zivildienstes.

Erzieherausbildung in Vollzeit

Um einen kleinen Einblick in die Vollzeit-Ausbildung zu bekommen, habe ich eine Erzieherin mit mehrjähriger Berufserfahrung gebeten, mir ein paar Fragen zu ihrer Ausbildung zu beantworten. Seit ihrem Abschluss arbeitet Madlen in einem Kindergarten in der Nähe von Dresden und ist mit Herz und Seele Erzieherin.

Interview mit Madlen aus Dresden

Wo hast du deine Erzieher-Ausbildung absolviert?

Beim ibfl in Sebnitz. Das ist das „Institut für berufsbildende Fachschulen und Lehrgänge e. V.


Hast du zuvor die Ausbildung zum Sozialassistenten gemacht?

Nein, das habe ich nicht. Ich war eine sogenannte Quereinsteigerin. Zuvor habe ich eine Ausbildung zur Hauswirtschafterin in Bischofswerda gemacht.
 
Wie würdest du die Ausbildung bewerten? 
 
Als ich meine Ausbildung 2011 angefangen habe, musste ich 90 Euro Schulgeld bezahlen, da es sich um eine rein schulische Ausbildung handelte. Das ist in Sachsen so üblich. Ich beantragte BAföG, welches ich dann auch bekommen habe, denn mit Gehalt war da nix bei mir und ich musste sehen, wie ich über die Runden komme.

Bei einigen Inhalten in meiner Ausbildung habe ich mir damals ehrlich gesagt schon gedacht: „Zu was brauche ich so einen Mist…“, aber wie ich von anderen Erzieher/innen, die jetzt lernen, gehört habe, ist der Lerninhalt inzwischen deutlich besser geworden. Ich persönlich gehe auch sehr gern auf Weiterbildungen, um auf den aktuellsten Stand zu bleiben.

Wem würdest du die Ausbildung empfehlen?

Denjenigen, die Kinder lieben, gute Nerven haben, belastbar sind und Einfühlungsvermögen besitzen. Ich würde es Menschen empfehlen, denen es Spaß macht, den ganzen Tag liebevoll und engagiert auf die Bedürfnisse von Kindern einzugehen.

Erzieherausbildung, berufsbegleitend in Dresden

Aufmerksame Leser wissen sicherlich, dass mein Mann seit August 2019 die nebenberufliche Erzieherausbildung absolviert und seither wieder die Schulbank drückt. Sein Arbeitspensum umfasst 24 Stunden, die er vollständig bezahlt bekommt – Sie sind ein gutes Argument für die nebenberufliche Variante der Ausbildung.

Zu dem Arbeitspensum kommen noch die Berufsschulzeiten oben drauf. In seinem Fall sind das:

  • Mittwochs: 16:30 – 19:45 Uhr
  • Freitags: 8:00 – 15:20 Uhr
  • Jeden zweiten Samstag 8:00 – 15:15 Uhr

Zudem fallen wie in jeder anderen Ausbildung ebenfalls Zeiten zum Lernen, zur Vorbereitung auf Referate & Präsentationen sowie Hausaufgaben an.

Für die Berufsschulzeiten und die Selbstlern-Zeiten zu Hause erhalten die Auszubildende keine Vergütung.

Interview mit Adrian aus Dresden

Wo absolvierst du deine nebenberufliche Erzieher-Ausbildung?

An der Akademie für berufliche Bildung (AFBB) 

Hast du zuvor die Ausbildung zum Sozialassistenten gemacht?

Nein. Zuvor habe ich allerdings lange Zeit als pädagogischer Mitarbeiter gearbeitet. 

Wie würdest du die nebenberufliche Ausbildung bewerten? 

Ich stehe noch ganz am Anfang (erstes von vier Ausbildungsjahren), dennoch lässt sich schon jetzt sagen, dass vieles verbessert werden könnte. Ein Beispiel: Die Fächer Deutsch, Mathe und Englisch lassen sich abwählen – was generell gut ist – aber die Voraussetzungen dafür sind sehr eng bemessen. Das Abitur darf nur sechs Jahre her sein. Wenn du studiert hast und/oder schon eine Ausbildung vorher gemacht und gearbeitet hast, dann kannst du die – ich nenne sie mal – „fachfremden Fächer“ leider nicht abwählen. Ethik lässt sich gar nicht abwählen. Es mag einige Schüler geben, denen diese Fächer einen praktischen Nutzen bringen. Es gibt aber auch viele, die dort einfach ihre Zeit absitzen. Das nagt an der Motivation.

Anderes Beispiel: Noten. Jedes Fach wird benotet, in jedem Fach finden Leistungskontrollen statt. Manche Fächer sind relevant, weil ähnliche Aufgaben in der Abschlussprüfung abgefragt werden. Andere sind völlig irrsinnig. Bruchrechnen mag dem ein oder anderen ja noch Spaß machen, aber ein Test über Quellenverzeichnisse? Ein Thema, dass wir im letzten Schuljahr genau einmal für die Facharbeit brauchen und dann NIE WIEDER. Man lernt solchen Unsinn für die Schule und nicht für den Beruf.

Ausbildungsdauer: Zu lang. Vier Jahre? VIER Jahre!

Kosten: Gern weniger. Gern gar nichts. Gern ein Pony mit rot-weiß gestreifter Mähne.

Gehalt: Gern mehr.

Praxisanteil: Man lernt beim Arbeiten, dazu wäre die Bezeichnung Ausbildung nicht notwendig. Dafür wird man in Hospitationen geprüft und benotet, die alle in nahezu realitätsfremden Rahmenbedingungen stattfinden und mehr Kasperletheater sind als wirklich wirklich die tatsächliche Arbeit widerzuspiegeln.

Wem würdest du die nebenberufliche Ausbildung empfehlen?

Wem würde man überhaupt irgendwas empfehlen? Ja, ich mache diese Ausbildung und ich werde sie auch zu Ende bringen. Nicht weil ich die sie so super dolle finde, sondern weil ich als Erzieher arbeiten will, und sie deswegen brauche. Wer sich dafür entschließt, dem würde ich jedenfalls die AFFB als Berufsschule empfehlen. Einige der Lehrer hier sind wirklich richtig gut.

Wo arbeiten staatlich anerkannter Erzieher?

  • Kindertagesstätten
  • Kinderkrippen
  • Schulhort
  • Kinderheimen
  • Jugendzentren
  • Erziehungsheimen
  • Internaten
  • und andere sozialpädagogische Einrichtungen

Welche Inhalte lerne ich in der sächsischen Erzieherausbildung?

In Sachsen ist die Ausbildung zum Erzieherin in verschiedene Lernfelder gegliedert, in welchen die Azubis die pädagogischen Aufgaben theoretisch durchdringen können. Dazu zählen zum Beispiel:

  • pädagogische Gestaltung von Gruppenprozessen
  • Analyse und Gestaltung von kindlichen Lebenswelten
  • Unterstützung von Bildungs- und Entwicklungsprozessen
  • Entwicklung von kreativen Kompetenzen
  • Medienpädagogik
  • Zusammenarbeit mit Eltern
  • Zusammenarbeit im Team
  • Qualitätsentwicklung
  • Erstellung pädagogischer Konzepte

Neben dem fachlichen Unterricht gibt es auch fachübergreifenden Unterricht:

  • Deutsch
  • Mathe
  • Englisch
  • Ethik

Ausblick: Wann kommt die praxisintegrierte Ausbildung (piA) nach Sachsen?

Seit 2012 existiert in verschiedenen Bundesländern die piA, die praxisintegrierte Ausbildung zum Erzieher/zur Erzieherin. Das verlockende an der PiA ist in erster Linie die Aussicht auf eine Ausbildungszeit von nur 3 Jahren. Zur Erinnerung: in Sachsen muss man 4 Jahre lang neben seiner Arbeit noch in die Berufsschule gehen. Zum einen ist das eine große finanzielle Herausforderung (Teilzeitgehalt + Schulgeld), zum anderen aber auch eine zeitliche, denn mehrere Tage gehört der Berufsschule; in unserem Fall sogar jeder zweite Samstag…

Leider ist die piA für Sachsen nicht in Sicht, da sich hier bereits seit langem die nebenberufliche Teilzeit-Ausbildung etabliert hat.

Fazit: Augen zu und durch

Eine Ausbildung ist grundsätzlich eine gute Sache, insbesondere da Erzieher einmal mit unseren Kindern zu tun haben werden und fundiertes Fachwissen unverzichtbar ist. Mir ist bestens ausgebildetes Personal unglaublich wichtig – vom Krippen- bis in den Hortbereich! Daher finde ich den „sächsischen Weg“ auf den ersten Blick gut.

Die Erfahrung zeigt aber einige Schwachpunkte. Zum einen ist Quantität nicht Qualität und damit beziehe ich mich auf die lange Ausbildungszeit. Entweder geht man den Weg von der 2-jährigen Sozialassistenz-Ausbildung und die 3-jährige Erzieherausbildung oder man wählt die 4-jährige Ausbildung in Teilzeit, bei der man zugleich arbeiten muss. Die vielen Jahre scheinen eine solide Grundlage zu schaffen, ein genauer Blick in die Schulhefter zeigt dann eben, wie von Adrian oben angesprochen und auch von Madlen bemängelt: Vieles wird einzig FÜR die Schule gelernt. Dabei sagten schon die Römer: „Non scholae sed vitae discimus“ (Nicht für die Schule, sondern fürs Leben lernen wir). Muss ein Erzieher/eine Erzieherin wirklich über mehrere Monate hinweg Zitierregeln pauken?

Auch die Finanzierung ist ein Problem. In der Erstausbildung kann man sich gegebenenfalls mit Bafög behelfen, doch Quereinsteiger müssen den nebenberuflichen Weg wählen, bei dem sie ein Teilzeitgehalt bekommen. Leider können die Berufsschulkosten bis zu 250 € betragen – je nach Fachschule.

In Sachsen braucht es 2020 über 1.000 neue Erzieher, um den Bedarf in den verschiedenen Einrichtungen zu decken, schrieb die Sächsische Zeitung vor gut einem Jahr. Gefördert wird die Ausbildung trotzdem noch eher schlecht als recht und hier gibt es noch viel Verbesserungspotential, angefangen bei den zu hohen Kosten für die Berufsschulen bis hin zu den Lehrinhalten, welche die Ausbildung allein quantitiv aufblähen und die Lehrzeit verlängern.

Liste der Erzieher-Schulen in Dresden

deine

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4 Kommentare zu „Erzieherausbildung in Sachsen – Infos, Tipps & Erfahrungen

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