Für alle, die sich mal wieder durch ein Buch quälen wollen. Hier seid ihr richtig: „Mathilde und Marie“.
Dabei wirkt der Beginn des Romans vielversprechend und auch Titelbild sowie Klappentext sprachen mich an. Die junge Marie flüchtet aus Paris nach einem persönlichen Verlust und trifft im Zug auf eine alte Frau, welche sie „in ihr Dorf“ einlädt. Die beiden steigen daraufhin gemeinsam aus und werden von einem Mann im Auto abgeholt, der sie in ein abgelegenes Dorf im Wald fährt. Was wie der Anfang einer Horrorgeschichte klingt, dreht sich dann aber doch nur im Wohlfühl-Kreis.
Der Ort ist nämlich ein Bücherdorf.
So weit so schön. So überaus schön. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie schön so ein Bücherdorf ist, aber der Autor Torsten Woywod wird es euch auf allen Seiten und in allen Wort erzählen. Die Natur ringsum ist der Wahnsinn! Und die Bücher! Und die Menschen! Und die Vogelstimmen! Vor Kitsch wird euch beim Lesen schwindelig werden.
So weit so gut. Ich kann die Liebe zur Natur verstehen und eins muss ich auch festhalten: gut geschrieben ist der Roman auf jeden Fall. Nur inhaltlich komme ich nicht mit, denn die Figuren bleiben nur an ihrer Oberfläche. Hinzu kommt, dass alle die junge Frau Marie lieben. Einfach so und ohne Grund. Es gibt nichts, was sie auszeichnet, kein interessantes Gespräch, keinen Aha-Moment. Eher wirkt sie auf mich weltfremd, weil sie das erste Mal in einem Wald zu sein scheint …
Selbst die mürrische Mathilde, die nach dem Tod ihres Mannes alle Menschen meidet, entwickelt schnell Respekt für Marie. Ich sitze vor dem Buch und will nur eine Antwort: WARUM? Was ist besonders an jemandem, der gern spazieren geht und Bücherkisten verräumt? Man erfährt es nicht.
Marie reiht sich ein in die Belanglosigkeit.
Alle Figuren bleiben rund geschliffen ohne Ecken und Kanten. Es passiert dann auch überhaupt gar nichts. Langweilig kaut der Text einen Tag nach dem anderen vor mit Naturbeschreibungen, zahlreichen inneren Dialogen zu immer wieder den gleichen Themen. Ein bisschen Buchladen, ein bisschen Hund ausführen und auf einer Bank im Wald rumsitzen.
Der Bäcker hängt ihr regelmäßig Brot ans Tor. Der Hund des Dorfes mag sie auf Anhieb und geht jeden Morgen geht er mit ihr spazieren. So verstreichen Tage und Wochen.
Wovon Marie diesen Aufenthalt eigentlich bezahlt? Oder das Brot? Keine Ahnung. Verdient sie in dem Buchladen etwas? Ich weiß es nicht. Hat sie ihre Wohnung in Paris gekündigt? Suchen ihre Freunde nach ihr? Was ist mit der Arbeit? Irrelevant.
Ein bisschen Dramatik soll dann doch eingeflochten werden:
So verlässt die alte Frau aus dem Zug ein paar Tage später wegen ihrer Krankheit das Dorf und für Marie bricht nahezu die Welt zusammen. WARUM? Als Leserin denke ich mir: „Boah, Marie! Es dreht sich doch nicht alles um dich. Komm mal klar!“ Aber: es dreht sich eben doch alles um sie. Alles fliegt ihr zu, weil … Ich kann es euch nicht sagen. Immerhin lernt sie in ihrer Zeit im Bücherdorf Vogelstimmen deuten und Marmelade kochen.
Eine weitere Dramatik schließt sich später an, denn da sich alles um Marie dreht, sehnt sich auch die mürrische Mathilde schon bald nach Maries Gesellschaft. Warum? Ich weiß es nicht.
Alles in allem wurde hier Potential verschenkt. Der Autor kann was. Die Kulisse im Wald und die sehr verschiedenen Menschen bieten Chancen auf tiefe Gespräche, Missverständnisse, andere Denkweisen und Konflikte. Auch finde ich das literarische Motiv stark, sich selbst nach einem Verlust wiederzufinden. Nur wirkt Marie nie verloren. Auch wissen wir extrem wenig über ihr Leben in Paris, was seltsam ist, da sie doch viel Zeit für Reflexion geschenkt bekommt.
Eure

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