Nochmal 13 Jahre alt sein? – Eine Zeitreise zu einer Freundschaft 

Was wäre, wenn ich nochmal beim Beginn einer Freundschaft dabei sein könnte? Nochmal dabei sein, wenn wir uns die erste Male treffen, zusammen Katzen huscheln und in der Hängematte schaukeln? Nochmal 13 Jahre alt sein und von einem gleichaltrigen Mädchen zu sich nach Hause eingeladen werden? Mit dieser Frage nehme ich an der Blogparade „Alte Bekannte“ von Sarah teil.

Dafür müsste ich in der Zeit zurückreise. Aber wisst ihr was? Ich kann das! Ich starte die Zeitmaschine und bin bei meiner 13-jährigen Freundin im Jahr 2001. Dafür muss ich einfach nur ein kleines blaues Buch aufschlagen, das den Namen „Wolke“ trägt und das ich über 20 Jahre später noch immer nicht verbrannt habe. Mein Tagebuch.

Dieses Tagebuch fiel mir letzte Woche wieder in die Hände.

Mein Mann und ich räumten die Wohnung um für ein Hochbett und unsere Bücherregale mussten weichen. Da war meine „Wolke“, der ich vor 23 Jahren mein Herz ausschüttete. Ich blätterte darin, las von meinen Gedanken zu Mathearbeiten und meinen Versuchen besser in Englisch zu werden. Ich hatte viel über meinen Wunsch geschrieben, einen Computer zu besitzen und nahm mein Tagebuch auf jede Lesereise mit. Vor allem Wolfgang Holbein hatte es mir angetan.

Außerdem taucht SIE in dem Büchlein auf. Meine Freundin, die mit der Jahrtausendwende in mein Leben trat und die noch heute, 23 Jahre später, einer meiner Lieblingsmenschen ist.

Was wäre, wenn ich nochmal beim Beginn dieser Freundschaft dabei sein könnte? Ich kann. Über die Zeilen meines 13-jährigen Ichs kann ich unserer Freundschaft nah sein. Diese mit Filzstift beschriebenen Zeilen – Was für ein Geschenk!

Jetzt sitze ich im Zug aus Riesa zurück nach Dresden, wo ich mit eben jener Freundin 23 Jahre später gemeinsam Glühwein und Glühwein-Gin und später Kaffee und Früchte-Tee auf dem Weihnachtsmarkt getrunken habe. Mein Rucksack ist voller Kekse, die sie mir mitgebracht hat, und mein Kopf voller neuer schöner Gedanken.

Freundschaften, die über so viele Jahre bestehen, haben einen ganz besonderen Zauber. Insbesondere, wenn man sich schon in der siebten Klasse kennengelernt hat. Seither ist vieles passiert und den Anfang habe ich total aus dem Blick verloren …

… bin ich das Büchlein im Dezember 2023 wieder in den Händen hielt.

Wie unser gemeinsamer Weg losging

In Klassenstufe 7 landeten wir gemeinsam im Russisch-Profil und wurden in der neuen Klasse schnell sehr enge Freundinnen. Mit allem drum und dran. Ihre Mama bot mir Mittagessen an, wenn wir die Freistunde bei ihr zu Hause verbrachten. Ich zog mir die dicken Decken bis unters Kinn, wenn wir im Winter in ihrem Zimmer ohne Heizung lagen und ihr großer Bruder goss mir einen Eimer Wasser über den Kopf, als ich im Garten chillte. Dafür bekam er Wasserbomben zurück! Wir schrieben Geschichten über Schwarzfußindianer auf der Wiese neben dem Haus, bauten unsere erste eigene Webseite und färbten die Haare mit Faschingsspray Orange.

Mein Zuhause ist dein Zuhause. Ich liebte es bei ihr. Seit unserer Jugend hat sich zwar viel verändert, eine kleine Schwester ist bei ihr zum Beispiel noch dazu gekommen und ein neuer Hund bewacht Haus und Hof. Es gibt jetzt Hühner hinterm Haus und länger schon eine Fußbodenheizung. Für mich hat das Haus die Magie unserer Teeniezeit über alle Jahre bewahrt.

Ich bin wieder im Jahr 2000.

Ich blättere durch das Tagebuch und bin wieder dort im Jahr 2000. Während ich von uns beiden lese, sehe ich auch wieder die Bilder vor mir, wie SIE eine meiner ersten Leserinnen wird. Mit 13 Jahren begann ich Geschichten zu schreiben, nicht originell und sprachlich nicht sehr ausgefallen, doch meine Freundin gab mir positives Feedback und ermutigte mich, weiter zu schreiben. Was ich auch heute noch tue!

Das Buch heißt „Trixi und ihr Geheimnis“. Dank des Zuspruchs meiner Freundin habe ich es damals sogar fertig geschrieben. Mein erstes kleines Werk.

Bei meiner Zeitreise bin ich wieder in ihrem Garten und mein Herz ist erfüllt von unserer Leichtigkeit. Dunkel erinnere ich mich an Purzi und Morlie, wenn ich von den Kätzchen in meinem Tagebuch lese. Die Miezen waren immer um uns und auch letztes Jahr, als ich sie im Elternhaus besuchte, huschelten wir kleine Kätzchen auf dem Sofa.

IHDGDLFIUE – Ich hab dich ganz doll lieb für immer und ewig!

Mit 13 Jahren wusste ich noch nicht, welchen Schatz ich mit meiner Freundin gefunden hatte. Jetzt bin ich mir dessen dafür umso mehr bewusst! Es ist doch so: Wir lernen so viele Menschen kennen, verbringen Abschnitte unseres Lebens mit ihnen und lassen sie später wieder weiterziehen. Nicht mit jedem Menschen, den man mag, schafft man es, ihn Verbindung zu bleiben. Diese Kinderheitsfreundschaft aber haben wir über all die Jahre gut gepflegt.

Die Pflege der Freundschaft beinhaltete nach der Schulzeit seitenweise Briefe. Erst wenn mindestens 10 Blätter vollgeschrieben waren, schien ein Brief würdig, an die Freundin versendet zu werden. Wir wohnten die meisten Zeit unserer Freundschaft nicht mehr in der gleichen Stadt, sahen uns nur wenige Male im Jahr und trafen uns vor allem in der Heimat. Umso schöner, dass wir seit drei Jahren die Entfernung wieder etwas verkleinern konnten: auf eine 1,5 Stunden Zugfahrt von Dresden nach Leipzig oder andersherum.

Ich lese im Tagebuch und bin wieder 13.

Wie schön, dass ich es nicht verbrannt habe.

Und noch viel schöner: dass es DICH noch in meinem Leben gibt. Ich freue mich schon darauf, wenn wir mit 100 Jahren spazieren gehen, mit der rechten Hand unseren Rollator vor uns herschieben und in der linken Hand einen Glühwein halten. Und uns erinnern, wie es damals war mit 13 Jahren in der Hängematte.

deine/eure

Schriftzug Dresden Mutti

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Eine Antwort zu „Nochmal 13 Jahre alt sein? – Eine Zeitreise zu einer Freundschaft “

  1. Avatar von Sarah (mutter-und-sohn.blog)

    Was für eine schöne, leichte, herzwärmende Erinnerungsgeschichte. Eine echte Hommage an deine Freundin. Danke, dass du mit diesem Beitrag meine Blogparade bereicherst!😊

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