Karfreitag bedeutet in meiner Familie bereits seit meiner eigenen Kindheit: Wandern. Wir osterwandern seit mehr als 20 Jahren die gleiche Strecke mit dem gleichen Ziel: zu Jitka nach Tschechien. Wer jetzt sagt: „Osterwandern? Jitka? Das sind böhmische Dörfer für mich“, der ist hier genau richtig.
Lobendava ist ein bömisches Dorf und unsere Jitka, das ist eine rüstige Frau über 80, die ein Restaurant direkt an der tschechischen Grenze führt und so heißt es auch: „U Hraničáře“ / „Zum Grenzer“. Schon seit ich denken kann, begrüßt uns Jitka hier zum Essen, plaudert am Tisch mit ihren Freunden, bringt uns das grüne Osterbier und deftige tschechische Speisen.
Seit einigen Jahren haben wir die Wanderung sehr optimiert: wir melden Jitka schon vor der Wanderung, was wir genau essen wollen und machen uns früh auf den Weg, sodass wir bereits 11 Uhr in der Gaststube sitzen. Das Motto lautet: Die ersten Gäste werden zuerst bedient und das hat auch 2026 wieder hervorragend funktioniert. Die Gerichte kommen nach Familien sortiert an die Tische. Der Wenzel-Tisch (wir) kam dieses Jahr als erster an die Reihe, aber vielleicht erzähle ich nun wirklich mal der Reihe nach.
Start am Wenzelhaus
Der Artikel soll schließlich ein Wanderbericht werden. Der Reihe nach also starteten wir in Langburkersdorf am Wenzelhaus. Ich flunkere etwas, denn die Wanderung begann eigentlich nicht erst am Wenzelhaus, aber hier ist eben der Ort, an dem wir eingesammelt werden. 9:20 Uhr standen alle parat im Hof. Wir, das waren dieses Jahr reichlich Personen:
- meine Eltern
- mein Mann, die Kinder und ich
- meine Schwester mit Freund und Kind
- meine Schwägerin und mein Schwager
Summa summarum vergrößerte sich die Wandergruppe allein am Wenzelhaus um elf Personen. Guten Morgen!
Bis zum Ende des Dorfes und noch viel weiter …
Auf diese Art und Weise sammeln wir unsere Wandertruppe auf dem Weg zum Ende des Dorfes nach und nach ein. Wir wuchsen mit jedem Haus um Kind und Kegel und einen Hund an. Schnell waren wir eine stattliche Wandergruppe.
Die Dorfstraße führte uns heraus aus dem Dorf. Dabei zieht sich die Straße eine Weile, da Langburkersdorf seinem Namen alle Ehre macht. Oft werden wir oben mit einer schönen Aussicht belohnt. Ostern 2026 wickelte sich das Dorf allerdings in eine dichte Nebeldecke ein. Der Blick reichte daher nur bis zum Feld direkt zu meinen Füßen. (Ihr müsst einfach selbst mal vorbeischauen, wenn der Himmel klar ist!)


Am Ende des Dorfes steht noch ein letztes Haus. Wir ziehen daran vorbei, es nieselt leicht, einen Schirm braucht es aber nicht. Und dann haben wir auch schon die Grenze zwischen Deutschland und Tschechien erreicht. Die Grenze ist auch ein idealer Platz für unsere erste Rast, also lassen wir uns niedersinken auf eine Bank oder wer sie mitgebracht hat: auf seine Picknickdecke.
Alle sind bester Laune, weil das Wetter besser mitspielt als erwartet (die Prognose stand auf Regen), aber vor allem, weil diese Osterwanderung mit Familie und Freunden immer Spaß macht. Nur ein Jahr, das erzählen sich alle, habe es so sehr geregnet, das mit dem Auto gefahren werden musste.


Zwischendurch Neudörfel (Nová Víska)
Zwischen Langburkersdorf und Lobendava liegt auf dieser Route übrigens noch Neudörfel (Nová Víska) als Zwischenstation. Hier habe ich vergessen Fotos zu machen. Die Vorfreude auf meine Kroketten mit Tartarsauce war wahrscheinlich einfach zu groß oder ich hatte einen Sekt zuviel, das kann man im Nachhinein immer schwer sagen.
Einen Katzensprung später erreichen wir dann unser Ziel in Lobendava: die Gaststätte „U Hraničáře“. Übrigens auch im Sommer ein perfektes Ausflugsziel für Wanderer und Fahrradfahrer. Direkt daneben (leider mit einer Straße dazwischen) können die Kinder auf dem Spielplatz noch eine Runde toben.
U Hraničáře


Ankommen, Bier bestellen. So will es die Tradition. In Tschechien gibt es über die Osterzeit nämlich ein spezielles Bier, das grün eingefärbt ist. Geschmacklich sehr gut und optisch auf jeden Fall interessant.
Ich habe im Restaurant Backkäse mit Kroketten und Tartarsauce gegessen, ebenso wie eins der Kinder. Das andere hat sich für Pizza entschieden, vegetarisch, auch wenn Jitka lieber Wurst drauf gemacht hätte: „Ich mache dir mit Schinken.“ – „Nein, danke. Ich möchte ohne Wurst.“ – „… okay. Dann mache ich Salami drauf„. Vegetarier sind bei Jitka wohl eher selten. Die Pizza schaffte es dann aber doch ohne Wurst in den Backofen.
Rückweg über den Raupenberg
Gut verköstigt folgten wir dem Weg nun an anderer Stelle durch den Wald nach oben auf den Raupenberg. Wir kamen an unserer Eiche vorbei, an der wir einmal das Werk von Außerirdischen vermutet hatten, das dann aber doch kein Werk von Außerirdischen gewesen war (Ich erzähle euch die Geschichte gern ausführlich bei Gelegenheit).
Später stießen wir auf die kleine Brücke, die ein Moor kreuzt. Auch diese etwas triste Moorbegegnung habe ich hier fotografisch für euch festgehalten, weil sie zur Wanderung dazugehört. Schade, dass sich der Nebel verzogen hatte. Ein Moor im Nebel hätte sicher schaurigschön ausgeschaut.


Die Grenze selbst verläuft ziemlich genau oben auf dem Raupenberg. Hier legten wir bei Wandertisch und Wanderbänken unsere letzte Rast ein und versuchten die Wegzehrung aufzubrauchen. Inzwischen hatte uns sogar die Sonne erreicht und schien wärmend auf den Kopf.
An der Grenze



Von der Grenze aus ist die restliche Wanderung sehr entspannt. Der Weg führt bergab ins Tal, vorbei an einigen Obstbäumen und bald folgt noch ein kleines Bächlein dem Weg ins Dorf hinein. Rings herum von Buschwindröschen umgeben. Es war so idyllisch, dass ich auch davon ein Foto machen musste.
„Fall nichts ins Wasser!“, warnte meine Tochter.
Als geübte Fotografin ging die Aufnahme aber gut aus. Weder Mama noch Handy landeten im kalten Bach, dafür hatte ich dieses schöne Foto im Kasten:


Wie das letzte Bild hier zeigt, hatten wir alsbald wieder Langburkersdorf erreicht. Hier konnten die ersten Wanderer schon wieder einkehren. Wir selbst mussten noch ein Stück weiterlaufen, etwa bis zur Mitte des Dorfes, wo wir ins Wenzelhaus zurückkehren konnten.
Ungewohnt früh waren wir zurück, aber zur idealen Zeit für Kaffee und Kuchen. Danke Mama für die leckere Verköstigung!! Fast hätten wir vor lauter In-der-Sonne-sitzen-und-Kaffee-trinken vergessen, das wir noch Ostereier färben wollten. Es ist uns aber rechtzeitig in den Sinn gekommen. Und so endet die Geschichte der Osterwanderung bei Jitka an dieser Stelle mit dem Aufreißen des Eierfarbepäckchens. Zumindest für dieses Jahr.
Weitere Wanderungen 2026:
- Wanderung 1: durch den Zschorner Grund
- Wanderung 2: Erfurt im Steigerwald
- Wanderung 3: Von Pillnitz auf den Borsberg
- Wanderung 4: Vom Wilden Mann bis Radebeul
Eure

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