6+6 years of love

[You can find the english version below.]

Im Grunde trifft einen die Liebe natürlich immer unvorbereitet, das ist mir schon klar, aber unsere Liebe begann absolut durcheinander und das tut mir heute ein bisschen Leid, denn die ersten Momente fühlen sich eigentlich beinahe literarisch an und ich hätte mich einfach schneller für ein Ja entscheiden sollen. Ein Kopfhörer in meinem, ein Kopfhörer in deinem Ohr und wir hören schräge Lieder von Funny van Dannen im Bus zusammen mit unseren Klassenkameraden aus der Berufsschule. Du bist der erste Mensch, den ich kenne, der in einer Bar einen Tee bestellt. Was bist du nur für ein Typ, habe ich mich gefragt? „Seid ihr eigentlich Geschwister“, das haben die anderen gefragt. Was? Wir? Nein! Aber was wir sind, das konnten wir auch nicht sagen, denn manchmal laufen wir schweigend nebeneinander her und zwar nicht in dem Sinne von „Man muss auch mal zusammen schweigen können“, sondern einfach so und ich denke, du kannst mich eigentlich gar nicht leiden. Später schweigen wir uns sogar am Telefon an und die Stille wird zu einem Teil dieser Liebe, die dann doch über mich kommt. Dich hat sie schon längst ergriffen.

So eine Anfangszeit ist berauschend schön. Wir alt war ich damals?, denke ich mir hier beim Aufschreiben, denn inzwischen bin ich 31 Jahre alt und kann mir ein Leben ohne dich gar nicht mehr vorstellen. Aber natürlich weiß ich ganz genau, wie alt ich damals war, denn 2006 hatte ich auch mein Abi gemacht und startete ins Erwachsenenleben. Also 18 Jahre, dann 19 und mit 20 hatten wir schon unsere erste gemeinsame Wohnung in Köln, immer ein bisschen zu unordentlich, aber zentral in der City. Von hier aus gingen wir bestimmt dreimal in der Woche ins Kino, kochten meistens Nudeln und manchmal konnte ich dich sogar dazu überreden, mit ins Underground zu kommen. Wusstest du, dass das Underground inzwischen geschlossen ist? Schade.

Was macht man sechs Jahre lang ohne Kinder, wenn man sich nur um einander kümmern muss? Als wir nach den sechs Jahren unsere erste Tochter bekamen und kurz darauf die zweite, da fragte ich mich tatsächlich immer: Was haben wir nur vorher gemacht? Wir kamen ja gar nicht mehr hinterher mit Windeln und Stillen und Tragen und Kochen und Saubermachen und Kinderwagen fahren und Beruhigen, Trösten, Singen, Spielen…

Nach sechs Jahren endete unsere Zweisamkeit fast genau mit unserer Hochzeit und wurde zu einer Drei- und dann Viersamkeit. Wir waren immer müde, beide waren wir immer soooooooo müde, aber trotzdem haben wir es geschafft, ein Team zu bleiben. Wenn du meine Kinder ansiehst und so voller Liebe für sie bist, so liebe ich dich nur umso mehr. Natürlich haben uns die Kinder die Plätze streitig gemacht. Nichts auf der Welt ist wichtiger als sie. Aber das kann Liebe aushalten.

Ich mag die Gewohnheit, dass du da bist. Für mich. Für uns. Aber auch für dich. Ich liebe, was du bist und ich finde zugleich verrückt, was du bist. Du spielst seltsame Kartenspiele, du lachst immer über den gleichen Witz, du bringst den Kindern nur Blödsinn bei – und das mache ich doch schon! Was soll nur aus ihnen werden? Einerseits sind wir so spießig mit unseren geregelten Einkommen und den KiTa-Plätzen, aber andererseits spielen wir beide das Spiel des Lebens nach anderen Regeln, denke ich manchmal. Aber ich glaub, wir gewinnen trotzdem.

Unsere Liebe hat sich mit den Kindern sehr verändert. Wir bestreiten den Alltag und wir streiten über den Alltag, denn wir sind natürlich doch ganz genauso wie alle anderen auch und reiben uns aneinander, weil jeder immer das letzte Wort haben will. Hier auf dem Blog gehört das Privileg aber mir allein. Und so schließe ich mit:

Ich liebe dich.


Basically, love always hits you unprepared, of course, I realize that, but our love started absolutely confused and I’m a little sorry about that today, because the first moments feel almost literary and I should have just decided for a yes more quickly. A headset in mine, a headset in your ear and we hear weird songs by Funny van Dannen on the bus together with our classmates from the vocational school. You are the first person I know who has ordered tea in a bar. What kind of guy are you, I asked myself? „Are you actually brother and sister,“ the others asked. What? We? No! But what we are, we couldn’t say either, because sometimes we walk silently side by side, not in the sense of „we have to be able to keep silent together“, but just like that and I think you don’t really like me at all. Later we even keep silent on the phone and the silence becomes a part of this love that comes over me after all. You’ve fallen in love long ago.

Such an early time is intoxicatingly beautiful. How old was I then? I think to myself while writing it down here, because I am now 31 years old and can no longer imagine a life without you. But of course I know exactly how old I was at that time, because in 2006 I also had my Abi and started into adult life. So 18 years old, then 19 and at 20 we already had our first apartment together in Cologne, always a bit too messy, but central in the city. From here we went to the cinema three times a week, cooked pasta and sometimes I even persuaded you to comen to the underground. Did you know that the underground is now closed? Too bad.

What do we do without children for six years if we only have to take care of each other? When we had our first daughter after the six years and the second shortly after, I really always asked myself: What have we done before? We didn’t come afterwards with diapers and nursing and carrying and cooking and cleaning and driving baby carriages and soothing, comforting, singing, playing …

After six years our togetherness ended and became a threefold and then a forefold. We were always tired, both of us were always soooooooo tired, but nevertheless we managed to stay a team. If you look at my children and are so full of love for them, I just love you so much. Of course, the kids were competing with us. Nothing in the world is more important than them. But love can endure that.

I like the habit of you being there. For me. For us. But also for you. I love what you are and at the same time I find what you are crazy. You play strange card games, you always laugh at the same joke, you only teach the children nonsense – and I already do that! What is to become of them? On the one hand we are so stuffy with our regular incomes and the kindergarden places, but on the other hand we both play the game of life according to different rules, I think sometimes. But I think we win anyway.

Our love has changed a lot with the kids. We fight about everyday life and we argue about everyday life, because of course we are just like everyone else and rub against each other, because everyone always wants to have the last word. But here on the blog the privilege belongs to me alone. And so I close with:

I love you.

PS: Danke an Sunnybee. Durch dich bin ich auf die Blogparade „What It Feels Like To Find That One Love“ von Sovely aufmerksam geworden! Für die englischsprachige Leserschaft des Blogs habe ich mich mal an einer Version auf Englisch versucht. Pardon. I’m sure there’s a lot of mistakes in that.

2 Kommentare zu „6+6 years of love

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  1. Liebe Nadine, Deine Zeilen sind so verdammt ehrlich und frech, und irgendwie auch „normal“. Eben so wie es eigentlich sein sollte, mit allem drum und dran. Ich konnte beim Lesen auch mal lächeln und bin gerührt von eurer süßen Geschichte. Es ist ein Glück, dass ihr einander habt und im Familienleben aufgeht. Das ist wirklich ein großes Geschenk, und ich freue mich sehr für euch. Hab vielen Dank für’s Teilen!

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