Kleingarten-Mythen: täglich gießen!

Ihr glaubt nicht, wie oft ich mich der Diskussion ums Gießen bereits gestellt habe! Seit zwei Monaten bin ich Kleingartenbesitzerin und verteidige immer wieder, dass ich meine Pflanzen nur alle drei Tage gieße.

„Du musst aber jeden Tag gießen!“

„Natürlich musst du gießen! Sonst geht alles ein! Vor allem bei der Hitze! Und besonders Tomaten brauchen jeden Tag Wasser!“

Ihr habt richtig gelesen: Entgegen all dieser Myten wird mein Garten nur alle drei Tage von mir gewässert, wenn es zwischendurch nicht regnet. Nach knapp zwei Monaten mit eigenem Garten bin ich zwar lange noch keine Kleingartenexpertin, aber mit diesem Mythos kann ich zumindest aufräumen: Ein Kleingarten braucht nicht jeden Tag gegossen werden. Wirklich nicht. Die Natur hat es nett eingerichtet: Wir Kleingärtner dürfen faul sein. Pflanzen überstehen Durststrecken gut und brauchen nicht von uns verwöhnt werden.

Sogar im Hochsommer nicht.

Weniger gießen = tiefere Wurzeln = weniger gießen

Als kleiner Beweis einige Fotos, denn wie ein vertrockneter Garten schauen unsere Radeberger Beete nicht aus, im Gegenteil. Alles wuchert, alles ist grün. Das Zauberwort lautet: Resilienz. So gut man es auch mit seinem Gemüse meint: weniger gießen ist besser, denn nur so können Pflanzen ihre Widerstandskraft ausbauen.

Wer seine Pflanzen mit einer täglichen Bewässerung verwöhnen will, fördert nur ihre Zimperlichkeit. Die Pflanzen werden träge und bilden keine tiefen Wurzeln aus. Du bist zwar fleißig, weil du täglich mit der Gießkanne durch die Beete marschierst, aber deine Pflanzen werden faul und lassen ihre Wurzeln so kurz, wie sie sind, dabei würden ihnen gerade tiefe Wurzeln helfen, nicht bei der ersten Trockenheit die Blätter hängen zu lassen.

Dreh die Gießkanne doch um: Dann kannst du faul sein und die Pflanzen bemühen sich selbst um Wasser. Gieße nicht mehr jeden Tag! Mit ihren starken Wurzeln kommen deine Pflanzen schon bald zu den tieferen Erdschichten vor, wo das Wasser wesentlich länger gespeichert ist als an der Oberfläche.

Kurz gesagt: Wer seine Pflanzen nur alle paar Tage gießt, der regt die Wurzelbildung an und schafft damit, dass die Pflanzen auch mit weniger Wasser auskommen.

Hacken, hacken, hacken!

So richtig faul können wir trotzdem nicht sein, denn wer wenig gießen will, muss mehr hacken. Vor dem Gießen steht also die anstrengendere Arbeit: die Erde rund um die Pflanzen aufzulockern, damit das Wasser überhaupt in den Boden und die tiefen Erdschichten eindringen kann, statt nur über die Oberfläche zu laufen und zu verdunsten. Ein fester, harter, trockener Boden nimmt Wasser nämlich nur schlecht auf.

Also: Ärmel hochkrempeln, Hacke rausholen und die obere Erdschicht durchbrechen!

Damit ihr mir glaubt, dass ich keinen Unsinn erzähle, habe ich auch etwas recherchiert und bin auf diesen goldenen Satz gestoßen:

Einmal Hacken, spart dreimal Gießen!

Quelle: meine-ernte.de

Die aufgelockerte Erde gieße ich im Anschluss reichlich, damit die Bewässerung tatsächlich für 3-4 Tage hält.

Mulch hält die Erde feucht.

Zur Ergänzung füge ich noch zwei weitere Tipps zum Gießen an, die deine Pflanzen lieben werden:

Morgens und abends gießen. Das klingt zwar sinnvoll, passt aber mit meinem Leben nicht zusammen, da bin ich ehrlich. Ich füge es euch nur als Hinweis ein, falls ihr flexibler mit eurer Zeit seid, als ich es bin. Unter der Woche fahre ich meistens zwischen 16 und 18 Uhr in den Garten und gieße dann.

Umso wichtiger ist es, die Erde vorher gut zu lockern. So sickert das Wasser direkt in die tiefere Erde und ist dort auch in den heißen Nachmittagsstunden noch etwas geschützter.

Mulchen: So einfach, so effektiv. Wenn wir Rasen gemäht haben, verteilen wir das Gras direkt auf den Beeten. Auch Pflanzenreste wie abgeschnittene Tomatentriebe wandern direkt aufs Beet und manchmal sammle ich extra Brennnesseln als Dünger und Hitzeschutz. Der Effekt: weniger Wasser verdunstet, weil die feuchte Erdoberfläche durch die Mulchschicht geschützt ist. Gleichzeitig wandern die Nährstoffe aus den Pflanzen direkt in den Boden.

Gießen im Gewächshaus?!

Im Gewächshaus wiederum reichen meiner Erfahrung nach mulchen und hacken nicht aus, weil das Wasser bei der Hitze auch in den tieferen Erdschichten verdunstet und dann durch die Fenster entweicht. Zumindest habe ich hier beim Start mit meinen Tomaten keine gute Erfahrung gemacht. Hier haben wir uns eine kleine Solarpumpe angeschafft, die Wasser aus einem Wassertank direkt zu den Tomaten bringt.

Wie oft gießt du?

eure

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38 Jahre alt, Mama von zwei Töchtern, verheiratet und berufstätig in Vollzeit als Online Redakteurin.

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