Hecken schneiden, Rasen mähen, Unkraut zupfen und vor allem gießen, gießen, gießen. Obgleich ich die Natur liebe und gern im Beet stehe, Erde umgrabe und den Tomaten beim Wachsen helfe, kam für mich nie in Frage, einem Kleingartenverein beizutreten und meine Wochenenden in „meinem Garten“ zu verbringen.
Entspannung vs. Arbeit
Ein Kleingarten ist kein Naherholungsgebiet, in das Großstädter fahren, um die Seele baumeln zu lassen. Nicht nur. Ein Kleingarten macht in erster Linie einen Berg Arbeit und beansprucht ein seltenes Gut: unsere Zeit. Mein Terminkalender ist auch ohne Kleingartenarbeit prall gefüllt mit Kinderaktivitäten und Ehrenamt, Hausaufgaben und LRS-Nachhilfe für die Kinder, Nebenjob und Hobbys, das Kind zum Geige lernen motivieren. 39 Stunden die Woche arbeiten! Nebenbei das StarDD-Programm bei der Stadt Dresden absolvieren, ein Potentialträgerprogramm, das auch die Investition von Freizeit verlangt.
Hier bloggen, da für johannstadt.de schreiben, mit den Kinder spielen und zeichnen, ins Freibad gehen, Klamotten nähen, kochen, den Elternrat unterstützen, wandern. Mir wird auch ohne Garten nicht langweilig. Ich bin im Stadtteilverein Johannstadt Chefredakteurin und versuche mich auch hin und wieder in den beiden Schulen einzubringen. Kurz: obwohl ich meine Freizeit gut ausgefüllt habe, purzelte er nun aber doch in unser Leben: der Kleingarten in Radeberg.


Wie kamen wir zu dem Kleingarten?
Unsere Tochter schmuggelte die Idee schon vor einer Weile bei uns ein, denn ihre beste Freundin zieht diesen Sommer nach Lübben. So wurde schon im vergangenen Jahr klar, dass die Familie ihren Kleingarten in Radeberg aufgeben wird. Ob wir diesen übernehmen wollen? Ich schüttelte den Kopf. In Radeberg? Selbst vor einem Garten in Dresden hätte ich großen Respekt gehabt, aber ein Kleingarten in einer anderen Stadt macht für uns ohne Auto keinen Sinn.
So legten wir den Vorschlag ad acta.

Dann aber sponn mein Mann Anfang des Jahres den Faden weiter. Nun war er offiziell angefragt worden, ob wir den Kleingarten nicht übernehmen wollen? Ich schüttelte den Kopf. Das schaffen wir doch gar nicht.
Einerseits sah ich mich schon im Gemüsebeet die Schlangengurken pflücken, andererseits befürchtete ich, dass wir uns zu viel zumuten und der Rest der Familie schnell die Lust am Gärtnern verlieren würde. Das schaffen wir nicht.
Und dann irgendwann saßen wir noch einmal zusammen. Die Kinder, mein Mann, die andere Familie. Wollt ihr nicht den schönen Garten übernehmen? Wir würden ihn gern in gute Hände abgeben und wir denken, er passt gut zu euch. Die Kinder: „Ach bitte Mama.“ Mein Mann: „Das schaffen wir.“


Meine Gegenargumente wurden entkräftet. „Wie sollen wir denn nach Radeberg kommen?“ – „Der Bus fährt in nur 13 Minuten hin. Er fährt direkt hier ab und hält vor der Kleingartenanlage.“ – „Ich kann nicht jeden Tag zum Gießen hinfahren.“ – „Man kann Bewässerungssysteme nutzen.“
Wenn ich Ja sagte, würden wir dann bald Tomatenpflanzen im Bus transportieren?


„Lasst uns den Kleingarten anschauen.“
Als wir an einem kühlen Abend im März im Garten standen und die Anlage ansahen, fühlten wir bereits: das wird tatsächlich unser Garten werden. Der März war noch kalt und grau, aber wir sahen das Potenzial. Ein Gewächshaus! Eine Hütte! Gartengeräte! Viel Platz!
Ich bin Kleingartenbesitzerin seit Mitte Mai!
Und so kaufte ich vor einem Monat den Kleingarten, den ich innerlich schon Zaubergarten nannte, und für den ich mir ein wichtiges Ziel setzte: eben doch Seele baumeln lassen und entspannen. Weg von Laptop und Terminen. Einfach nur Schlangen und Waldeidechsen beobachten, Kartoffeln säen, Tomatenpflanzen stutzen und in der Sonne liegen und lesen.
Ich trat dem Kleingartenverein bei und nächste Woche steht auch schon der erste Garteneinsatz vor der Tür. Vier Stunden sind pro Jahr zu leisten.


In diesem ersten Monat haben wir schon viel erlebt, von dem ich euch berichten werde. Daher hier nur in Kürze: wir haben Beete angelegt, ein Gartenbuch mit Zeichnungen gestartet, kompostiert und viele Tiere entdeckt: waren zuerst die Waldeidechse unser Highlight, ist es inzwischen die Ringelnatter im Kompost. Wir haben auch Hornissen, Grashüpfer, Weinbergschnecke und Schmetterlinge im Garten. Natürlich auch Regenwürmer, einen Maulwurf.
Für das Gewächshaus installierten wir tatsächlich eine Bewässerungsanlage mit einer solarbetriebenen Pumpe. Hier wachsen unsere Tomaten. Wir haben auch Gurken und Sonnenblumen, Peperoni und Kürbisse, Mais und Kartoffeln, Kapuzinerkresse, viele Blumen, Erdbeeren und Rabarber, einen Apfelbaum und einen Birnenbaum.
Bislang: ein wundervolles Projekt!
eure

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