Wie geht´s uns so? – Tagebuchbloggen

Noch immer bestimmt Corona als Thema Nummer 1 unser Leben, obwohl dieses Jahr natürlich auch der Schuleingang vom Töchterchen ansteht und wir uns besonders freuen, weil wir den langen Weg zur Waldorfschul-Anmeldung erfolgreich gemeistert haben. Hier wird im September wieder ein neues Kapitel in unserem Familienleben aufgeschlagen: Die KiTa-Zeit ist dann endgültig vorbei und wir treten ein in das Leben mit zwei Schulkindern!

Und trotzdem … Corona.

Ehrlich gesagt habe ich längst den Faden verloren, wann welche Regelungen gelten. Plötzlich FFP2-Masken im Bus. Keine Selbsttests mehr zum Einkaufen. Tische und Stühle vor Restaurants, als könne bald die Außengastronomie öffnen. Darf sie? Wann denn? Und wer darf rein?

Wenn ich zwischendurch mal die Muse gefunden habe, die Bestimmungen genau zu lesen – inzwischen sind das 41 Seiten mit komplizierten Formulierungen – ist am nächsten Tag schon alles wieder anders. EINUNDVIERZIG SEITEN!! Wer soll das lesen und vor allem verstehen? In die Verordnung habe ich tatsächlich reingeschaut. Hier steht unter anderem, dass Kinos öffnen dürfen:

Museen, Bibliotheken, Galerien, Ausstellungen, Gedenkstätten, Kinos, Theater, Bühnen, Opernhäuser, Konzerthäuser, Konzertveranstaltungsort, Musiktheater und ähnliche Einrichtungen für Publikum sowie Kulturveranstaltungen im Außenbereich dürfen unter der Voraussetzung öffnen, dass diese eine Terminbuchung mit Dokumentation für die Kontakterfassung oder –nachverfolgung nach § 6 Absatz 1, 6 und 7 sowie die Vorlage eines tagesaktuellen Tests
vorsehen.

Sächsische Corona-Schutzverordnung vom 04. Mai 2021

Schaue ich auf der Seite des UFA Palastes Dresden steht da aber, dass aufgrund der Corona-Schutzverordnung aktuell geschlossen ist … Vielleicht wird die Öffnung von einem anderen Gesetz wieder ausgehebelt? Oder lohnt es sich noch nicht?

Mein Kopf qualmt!

Diese ersten Zeilen habe ich schon letzte Woche geschrieben. Inzwischen ist unsere Inzidenz tatsächlich unter 100 gesunken – was wieder neue Regelungen bedeutet. Mit etwas Glück kann ich am kommenden Wochenende tatsächlich den Geburtstag meiner Schwester in der Außengastronomie mit ihr feiern.

Immerhin blieben wir von einer weiteren Quarantäne verschont, welche die andere Hälfte der Klasse meiner Tochter traf und ich bin inzwischen angeimpft. Mit AstraZeneca. Mitte Juli erhalte ich Impfung Nummer 2 und bin dann im August hoffentlich erstmal eine Weile immun.

Schönes Wetter, Zoo, Höhlenmalerei

Neben Corona gibt es aber durchaus auch andere Themen wie den Rollrasen in unserem Garten, bemalte Teller oder die Geburtstage meines Mannes und meiner Schwester, die in Kürze anstehen. Was wollen wir schenken? Die Kinder erweisen sich als äußerst kreativ – leider arten ihre Einfälle meist in Arbeit für mich aus. Schön war letztens unsere Höhlenmalerei, mit der wir Maltechniken aus der Steinzeit ausprobiert haben.

Und wir konnten sogar Tickets für den Zoo ergattern. Da haben die Mädels und ich uns einen richtig schönen Nachmittag gemacht. Wir drehten zwei Runden an den Gehegen entlang, sodass wir fast alle Tiere in Action haben sehen können – bis auf die schlafenden Großkatzen. Die hatten an dem Tag keinen Bedarf an Bewegung.

Dafür watschelte der Baumstachler umso witziger am Boden entlang und wir konnten Baby-Eulen bei ihren ersten Flugversuchen beobachten. Die Kinder bettelten um Eis und Zuckerwatte. Und sie erhielten Eis und Zuckerwatte. Die Energie ging also nicht aus. Ansonsten hatten wir noch reichlich eigenen Proviant dabei, der restlos weggeknabbert wurde, denn das viele Laufen machte uns alle hungrig.

Gleich am Tag darauf stellten wir wieder unsere Wanderlust unter Beweis: die ganze Familie startete an der Heidemühle und wanderte 5 Stunden durch die Dresdner Heide. An den Rastplätzen schnitzten die Kinder und der Mann Stöcke, ich las ein Buch. An diesem Tag kam sogar schon fast der Sommer durch, der sich noch bis Mitte der Woche hielt und dann – pünktlich zum Feiertag – in nasses Regenwetter verwandelte.

Es ist schon Mai. Aber es fühlt sich noch immer wie März an, weil sich der Sommer nicht recht einstellen mag … Hoffentlich wird´s bald mal richtig Sommer!

„Über Menschen“ mit Juli Zeh

Aktuell begleitet mich der Roman „Über Menschen“ durch den Alltag, also auch in den Momenten, in denen ich gar nicht lese. Ein Roman, den Juli Zeh mitten in die Pandemie hineingeschrieben hat, sich aber weniger mit Corona als viel mehr mit Menschen und Rassismus beschäftigt. Aber anders. Sie tut es auf eine Art, die mich sehr trifft, weil ich das Gefühl habe, dass sie ganz genau verstanden hat, wie das ist. Aufwachsen im Osten war für mich ein alltäglicher Widerspruch.

Mich bewegt sehr, wie Juli Zeh darüber schreibt und sich mitten in dieses Hornissennest setzt. Denn sie kommt ja nicht einmal selbst aus dem Osten, sondern hat es sich als Wahlheimat ausgesucht. Chaos und Ordnung, Sinn und Moral. Sie hat sich schon in vielen Texten mit diesen Themen auseinander gesetzt. Sie schreibt regelmäßig „Über Menschen“, doch in diesem neuen Roman gelingt es ihr sehr nah und authentisch. Die Story wirkt weniger konstruiert wie beispielsweise in „Spieltrieb“, weil ich mir vorstellen kann, dass sowas einfach jeden Tag passiert. Wir leben mit Widersprüchen.

Adrian wies mich auf Nietzsches „Übermenschen“ hin, eine Abhandlung, die ich nicht auf dem Schirm hatte, aber wenn man um sie weiß, ist der Bezug zu „Über Menschen“ natürlich offensichtlich. Der Übermensch bei Nietzsche ist quasi der Schöpfer neuer Werte. Er bricht endgültig mit den Werten der Religion und einer überkommenen Philosophie. Der Übermensch distanziert sich von den herrschenden Wahrheiten. Und das führt ihn in eine einsame Distanz zur Welt. So geht es der Hauptfigur Dora, deren Nachbar ein Nazi ist und der ihr Möbel schenkt, mit ihr Einkaufen fährt und eine Tochter hat, die aktuell bei ihm lebt. Und der sterbenskrank ist.

Wenn du noch auf der Suche nach einem Thema für deine Bachelor- oder Masterarbeit in Germanistik bist, kann ich dir „Über Menschen“ sehr empfehlen. Ich biete mich auch jederzeit als Korrekturleserin an.

Soviel erst einmal zu mir.

Wie geht es dir? Was vertreibst du dir die Pandemiezeit?

deine

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3 Kommentare zu „Wie geht´s uns so? – Tagebuchbloggen

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  1. Liebe Nadine, ich mag deinen Beitrag, weil er deutlich macht, wie vermutlich viele (ich auch) die Pandemie momentan erleben. Einiges belastet diffus, man hangelt sich zwischen den ständig wechselnden Erlassen hindurch von Tag zu Tag und sucht dennoch Wege, das Leben zu genießen. In den Zoo möchte ich mit meinen Jungs selbst sehr gern mal wieder, aber momentan engagieren wir noch nicht mal die Babysitterin, weil wir die Kontaktzahl so gering wie möglich halten wollen. Dafür darf unser Großer in den Kindergarten und dort ermöglichen ihm die wunderbaren Erzieher/innen soviel Normalität wie möglich. Tja. Verrückte Zeiten! Danke für deinen spannenden „Tagebuchblog“ und auch den Buchtipp. Klingt interessant!:-)

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    1. Liebe Sarah, unsere Babysitterin haben wir auch tatsächlich weder 2020 noch 2021 gesehen … Ich bin mal gespannt, wann sich so eine Normalität mal wieder zeigen wird. Es sind wirklich verrückte Zeiten! Und das nun schon sooooo lange; wer hätte das letztes Jahr gedacht? Hoffen wir das Beste für die Zukunft!

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