Gelbe Tomaten

Mein Fotospeicher auf dem Handy quillt über vor Sonnenblumen, Kürbissen und Tomaten. So ein Kleingartenleben fühlt sich an wie die ersten Monate Elternsein. Plötzlich ist da dieser Garten, der von uns gehegt und gepflegt werden will. Für uns als Familie ist jedes Beet neu und faszinierend. Erst liegen die Beete ungemütlich vor mir, mit Spaten in den Boden gerammt, reine Erde, die Grasnarbe entfernt und mit Steinplatten eingefasst. Dann staune ich, wie die ersten Blättchen einer Bohnenpflanze aus der Erde brechen, viel zu zierlich für das riesig erscheinende Beet, doch bald schon überwuchern die Kürbisse alles und das Beet wirkt winzig.

Was sind wir stolz, als die erste Kürbissuppe auf dem Teller abkühlt!

Gleichzeitig habe ich noch nie zuvor Google Lens so intensiv bemüht wie in den letzten Monaten: Welche Pflanze ist das? Warum hat meine Gurke weißliche Blätter? Was ist mit dem Birnbaum los?

Neues Leben als Kleingärtnerin

Wie nennt man einen Menschen, der vorher ein Leben ohne Kleingarten führte und jetzt die Schubkarre zum Komposthaufen schiebt, vorsichtig natürlich, um die Ringelnatter nicht zu stören? Gärtnerin? Ich-krieg-die-Fingernägel-nicht-mehr-sauber? Oder doch nur: Großstädterin in Gummistiefeln?

Seit Mitte Mai bin ich Besitzerin eines Kleingartens. Die neue Aufgabe platzte so spontan in unser Leben, dass ich noch gar nicht wusste, welches Gemüse ich nebeneinander pflanzen darf und vor allem: welches nicht. Welche Kräuter vertragen sich mit Gurken und welche Blumen kann ich dazwischen setzen? Wenn ich einen Igel auswildere, verträgt er sich mit der Schlange (Nein! Der Igel frisst die Schlange!)?

Liebes Kleingartentagebuch,

was ich mich erstaunt immer wieder frage, ist: Wie konnte ich all die Jahre vorher nicht wissen, dass ich einen Kleingarten brauche? Vielleicht war der richtige Zeitpunkt noch nicht gekommen, das mag schon sein, aber ich bin inzwischen bereits beim Gedanken an meine Bohnenranken happy.

Meine Schaufel, Aura. Steppe durch den Garten mit Aura! Mein Spaten, der ist Aura! …

Ich lieb´s!

Zu viel Arbeit? Natürlich macht der Garten Arbeit, aber wenn wir ehrlich sind, macht er genau so viel Arbeit, wie ich mir damit machen will. Letztens bin ich gründlich durchgeackert und habe die Steinplatten vom Unkraut befreit, auch die Beete. Das war Arbeit, ja. Mit einer Schuffel läuft das Prozedere in den Beeten aber gut und es fühlt sich toll an, wenn für einen Moment kein Löwenzahn und kein Haselstrauch mehr wuchert. Darüber hinaus kann ich so viel oder wenig Pflege in den Kleingarten stecken, wie ich will, denn sind wir mal ehrlich: die Pflanzen werden auch ohne mein Zutun überleben. Wer gießt im Wald oder auf einer großen Weide? Die Natur hat sich so eingerichtet, dass Pflanzen auch mal länger ohne Wasser auskommen können (Kleingarten-Mythen: täglich gießen!), denn ein gut gelockertet Boden, am besten noch mit Grünschnitt bedeckt, speichert das Wasser. Auch mit Unkraut in den Beeten wachsen die Erdbeeren und die Himbeeren sowieso.

Meinen Zaubertraumgarten!

Schon wieder habe ich 20 Fotos gemacht und schaue sie mir an, wenn ich mit dem Überlandbus wieder nach Dresden zurückfahren. Was kann es Schöneres geben, gerade als Familie, als dieses Stück Land, das vor sich herwuchert mit Schmetterlingen und Waldeidechsen?

Pepperoni an einem Strauch
Pepperoni

Wollen wir gleich noch in den Garten fahren? Meine jüngere Tochter ist meistens dabei, vor allem wegen der Aussicht auf ein Eis von Netto gegenüber, aber auch weil ihre Pepperoni endlich Früchte trägt!

In diesem Jahr haben wir erst einmal im Garten übernachtet. Das wollen wir noch ein bisschen ausbauen, denn morgens schon hier aufzuwachen: Aura! Mein Mann wollte dieses Wochenende in der Laube schlafen, aber Freitag und Samstag hatte sich das Wetter so sehr eingeregnet, dass er seine Übernachtung dann doch wieder abgeblasen hat. Das Schöne ist, dass man sich mit Kleingarten trotzdem über Regen freuen kann.

Wilde Gartengrüße!

eure

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Ich bin Nadine.

38 Jahre alt, Mama von zwei Töchtern, verheiratet und berufstätig in Vollzeit als Online Redakteurin.

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