Gewaltfreie Kommunikation: Wie schaff ich das im Alltags-Chaos?

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Gewaltfreie Erziehung ist zum Glück längst in unseren Familien angekommen. Bis hin zur Ohrfeige ist heute alles verpönt, was ein Kind körperlich züchtigen soll, und das zu recht. Wie sieht es aber mit dem aus, was wir unseren Kindern sonst so um die Ohren hauen? Wie reden wir eigentlich mit unseren Kindern?

„Wenn du jetzt nicht endlich Zähne putzen gehst, dann gibt´s am Wochenende keine Süßigkeiten!!!“

Kennst du das auch, dass dein Kind überhaupt nicht kooperieren will? Es sitzt auf seinem Bett und trödelt vor sich hin oder spielt einfach weiter Playmobil…. „Hört mir hier überhaupt einer zu??? Ich zähl jetzt bis 3 und wenn dann nicht endlich aufgeräumt wird, hol ich den Müllsack und stopf da alles rein! Dann brauchst du überhaupt nichts mehr aufräumen.“

Vor allem bei meiner kleinen Tochter (4 Jahre) stoße ich regelmäßig an meine Grenzen und wie schnell hat man dann einen Wenn-Dann-Satz auf der Zunge. Dabei will ich keine Strafen verteilen, weil ich denke, dass sie nichts bringen (Das Kind kommt trotzdem nicht Zähne putzen) und weil ich das schöne Spielzeug eigentlich gar nicht wegwerfen will.

Deine Kinder tanzen dir auf der Nase herum!

Funktioniert Erziehung überhaupt ohne Strafen? Wenn ein Autofahrer falsch parkt, bekommt er doch auch einen Strafzettel. Und man denke mal weiter bis zur Schulzeit: Da dürfen Kinder auch nicht alles, was sie wollen…

Tanzen mir meine Kinder nicht auf der Nase herum, wenn sie trotzdem fernsehen dürfen und Süßigkeiten bekommen, obwohl sie

  • nicht das Zimmer aufräumen
  • nicht Zähne putzen
  • sich nicht anziehen
  • abends nicht im Bett bleiben
  • ihre Handschuhe schon wieder verloren haben
  • etwas kaputt gemacht haben
  • nicht aufessen
  • usw.
Kinder kommunizieren

„Es hat keinen Sinn, Kinder zu erziehen, sie machen sowieso alles nach.“

Dieses Zitat trifft den Nagel hin und wieder wirklich auf den Kopf. Zum einen: Vielleicht sind wir selbst nicht besonders ordentlich, weshalb die Kinder auch keinen Sinn darin sehen, ihre dreckige Wäsche in den Wäschekorb zu räumen? Ich darf mich da durchaus an die eigene Nase fassen. Kein Wunder, dass sie Spielzeug nicht direkt wieder ins Regel zurückzuräumen, wenn ich meine Nähmaschine und die Stoffe auch erstmal noch stehen lasse, obwohl ich fertig genäht habe.

Nachahmung ist andererseits was tolles. Wenn wir uns als Eltern nicht wie Arschlöcher verhalten, werden unsere Kinder nämlich „normale“ Verhaltensweisen übernehmen. Einfach so. Ohne Erziehung. Das fängt schon bei den Kleinsten an, die von ganz allein beginnen, mit Messer und Gabel zu essen, und geht weiter bei den Großen, die genau wissen, wie man sich in einem Restaurant benimmt.

Warum ist gewaltfreie Kommunikation wichtig?

Noch einmal zurück zum Anfang. Warum soll ich mit meiner Tochter nicht meckern, wenn sie rumtrödelt? Oder ihr Strafen aufbrummen, damit es schneller geht?

Kinder lernen einen respektvollen Umgang miteinander, wenn ihre Eltern und auch andere Bezugspersonen ihnen Wertschätzung entgegenbringen und Respekt vorleben. Wenn Kinder ernst genommen werden und liebevolle Behandlung erfahren, können sie selbst zu wertschätzenden Erwachsenen heranwachsen. Dafür ist es wichtig, dass die Grenzen der Kinder geachtet werden – bedingungslos.

Was machen Strafen mit unseren Kindern?

Indem wir Kinder bestrafen, demonstrieren wir damit unsere „Macht“ und wenn wir ehrlich sind, demütigen wir die Kleinen auch. Oft entspringt dieses Verhalten unserer Wut, weil gerade etwas nicht so läuft, wie wir uns das wünschen.

Trotzdem sollten wir vermeiden, unsere Macht zu missbrauchen. Das führt zu Hilflosigkeit und Angst bei Kindern und zerstört ihre empathischen Fähigkeiten. Wer immer nur angemeckert wird, baut irgendwann eine innere Mauer auf und verliert sein Vertrauen in die Welt sowie seine eigene Empathie-Fähigkeit.

Gemeckert, gemotzt, bestraft – und nun?

Selbst wenn man das begriffen hat, kommt es bei uns Eltern immer mal wieder zu Aussetzern. Gestern zum Beispiel hatte ich furchtbar viel im Kopf, als ich nach Hause kam (Protokoll für den Elternrat schreiben, mal was trinken, schnell auf eine WhatsApp antworten, Wäsche zusammenlegen) und dann pinkelte die Kleine ein.

Soweit hatte ich aber noch alles unter Kontrolle, kann ja mal passieren, nicht? Aber als ich immer noch durstig und mit den ganzen ToDos im Kopf die nasse Strumpfhose nicht von den Beinen bekam und die Kleine weinte, stellte die Große auch noch Forderungen: „Darf ich fernsehen? Darf ich Süßigkeiten? Mamaaaaaaa? Mamaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa?“

„Boah! Jetzt lass mich doch mal in Ruhe! Ich hab hier echt grad andere Probleme. Das siehst du doch!?!!“

Das hab ich laut und nachdrücklich Richtung Kinderzimmer zurückgegeben. Man soll ja authentisch bleiben, ne? Schon herrschte Stille. Trotzdem war es blöd, die Große so angeblafft zu haben, was nicht bedeutet, dass ich mich im Unrecht fühlte. Die Große ist schließlich schon 6 Jahre alt und hätte mir gegenüber auch Empathie zeigen dürfen.

Was macht man nach einem Ausraster? Erwachsen sein und sich entschuldigen. Als ich der Kleinen geholfen und selbst was getrunken hatte, bin ich nochmal zur Großen und habe mich entschuldigt. Ich habe ihr aber auch ehrlich gesagt, dass mich die Situation gestresst hat und es mir zuviel ist, wenn sie dann auch noch Forderungen stellt. (Ich bin doch auch nur ein Mensch.)

Ich finde, dass nicht nur die Bedürfnisse der Kinder wichtig sind, sondern auch die der Eltern. Gewaltfreie Kommunikation heißt nicht, dass man sich „auf der Nase rumtanzen lassen“ muss, auch wenn es sich manchmal so anfühlt. Ich bin überzeugt davon, dass sich Respekt unseren Kindern gegenüber auszahlt, und unsere Kinder zu starken, empathischen und sozialen Menschen heranwachsen werden.

Kann ich meine Kinder trotzdem erziehen?

Teufel Kostüm
Kinderfoto: Ich selbst als Teufel

Ein Großteil der Erziehung passiert wie gesagt automatisch durch Nachahmung. In einem Artikel von Mamiweb zu Erziehung in der Trotzphase: Falsches Verhalten korrigieren, das richtige loben findet man noch ein paar andere Erziehungstipps. Hier wird zum Beispiel empfohlen, die Kinder zu loben, wenn sie etwas gut machen.

Grundsätzlich gilt: Bevor man meint, die Kinder tanzen einem auf der Nase herum, sollte man sich unbedingt an diese eigene Nase fassen. Ist das Verhalten nicht vielleicht einfach auch Nachahmung?

Zudem ist dem Kind vielleicht überhaupt nicht peinlich, dass sein Kinderzimmer unordentlich ist, wenn Opa zu Besuch kommt. Die Eigenmotivation ist also gering – kein Wunder, dass nix passiert. Vielleicht kann man aber zusammen aufräumen? Denn mir ist das ordentliche Zimmer schon wichtig, wenn meine Eltern kommen (Hihi, manche Dinge ändern sich nie).

Ich betone übrigens immer, wie viel Platz nachher zum Spielen da ist, und hoffe, dass die Kinder die Vorteile eines aufgeräumten Zimmers zu schätzen lernen.

Der andere Elternteil sieht das alles anders?

Eine große Hürde ist der andere Elternteil. Während mich Sprüche aus dem Umfeld nicht weiter interessieren müssen, hat der andere Elternteil ja durchaus Mitspracherecht bei den Erziehungsfragen…

Wir selbst zum Beispiel sind uns zwar über unsere Erziehung einig, aber manchmal dann doch überhaupt nicht grün. Dann spielen wir guter Cop, böser Cop… Es ist schon manchmal schwierig, den anderen „einfach machen“ zu lassen, wenn es um Kindererziehung geht, finde ich. Ich kann es zum Beispiel nicht ertragen, wenn meinen Kindern Unrecht getan wird. Oder wenn ein Kind weint, weil es Fernsehverbot hat (morgens getrödelt) und das andere vor Netflix sitzen darf…

Wir versuchen dann, miteinander zu reden und ja, dabei kriegen wir uns auch oft in die Wolle. Und trotzdem kann man den anderen verstehen. Der Alltag ist stressig, manchmal liegen die Nerven blank und dann muss man noch widerspenstige Töchter zähmen. Irgendwann reißt einfach der Geduldsfaden! Da ist es doch gut, wenn noch ein zweiter Elternteil da ist, der den Faden aufnimmt und wieder zusammenbindet.

deine

Schriftzug Dresden Mutti

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