10 Elterntypen und wie sie mit Medien umgehen

Foto: Анастасия Гепп from Pixabay

Weißt du noch, wie unsere Kindheit aussah? Auch da gab es Medien, doch den Umgang mit ihnen mussten wir autodidaktisch erlernen. Unsere eigenen Eltern sind auf dem Stand der ersten Farbfernseher hängen geblieben und konnten grade mal eine VHS zurückspulen. Altersfreigaben waren in unserer Kindheit nur ein sehr grober Richtwert, und wenn etwas zu gruselig war, dann haben wir halt die Augen zugemacht – oder auch nicht. Videospiele hat niemand wirklich ernst genommen und das Internet war halt das Ding mit den Chatrooms.

Wir haben uns mit den Medien ein Stück weit mitentwickelt. Einige von uns sind auf diesem Weg im WoW-Sumpf versunken und nie wiedergesehen worden, andere haben sich in StudiVZ-Gruppen gänzlich verlaufen oder haben dank eBay eine Wohnung voller Staubfänger und anderem Schrott, der in ein- oder zweihundert Jahren mal unfassbar wertvoll sein wird. Ein paar haben es aber auch geschafft und sind jetzt als glänzend mündige Mediennutzer, selbst Eltern, in der Position, ihren eigenen Kindern den steinigen Weg durch den Mediendschungel noch etwas steiniger zu gestalten. Und wie sie das tun, fällt unglaublich unterschiedlich aus! Ich stelle euch heute die zehn verschiedenen Eltern-Medientypen vor, die ich durch langjährige Studien meiner Umgebung ausmachen konnte. Hand aufs Herz: Welcher Typ bist du?

Dieser Beitrag wird von der Initiative SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht.“ unterstützt. Er wurde von mir eigenständig redaktionell entwickelt.

1.     Die Lässigen

Die lässigen Eltern haben mit der Mediennutzung ihrer Sprösslinge keine Probleme. Ihr Motto lautet: „Wir waren doch früher genauso“. Was die Kinder mit ihren Smartphones und Konsolen anstellen, wissen sie nicht und es ist ihnen auch egal. Sie finden, es gehe zu weit, wenn Eltern auf Facebook mit ihren Kindern befreundet sind, denn zur freien Entfaltung der Persönlichkeit gehört ihrer Meinung nach ein freier Medienkonsum – ohne Kontrolle. Sie träumen davon, dass ihre Kinder mal in der IT- oder Medienbranche durchstarten, erschrecken aber auf dem Weg dahin, wenn das erste Anwaltsschreiben ins Haus flattert, weil die Sprösslinge ihre Freiheit etwas zu genau genommen haben.

2.      Die Kontrollsüchtigen

Das komplette Gegenteil der lässigen Eltern sind die kontrollsüchtigen Mamas und Papas. Sie leben nach der Devise: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“ Sie befreunden sich nicht nur mit ihrer Tochter oder ihrem Sohn auf Instagram, sondern verbinden sich dort auch mit den Freundinnen und Freunden der Kinder. Darüber hinaus checken sie mehrmals am Tag den Kinder-WhatsApp-Status und gucken, welche Spiele die Kleinen auf der Playstation zocken.

Die Kontrollsüchtigen verbieten nichts, haben aber alles genau im Blick. Irgendwann begehen sie in der Regel den Fehler, die Kontrolle durchblicken zu lassen und dann sind sie schneller blockiert, als sie Blaubeerpfannkuchen sagen können.

3.      Die ständig Erreichbaren

Die ständig erreichbaren Eltern sind mit ihrem Smartphone zusammengewachsen. Kaum klingelt es, sie sind voll bei der Sache und machen Termine mit der Zahnärztin aus, besprechen Deadlines mit ihren Kunden oder lachen gemeinsam mit dem besten Kumpel über neuen Tratsch. Die ständig Erreichbaren können problemlos telefonieren, wenn der Sohn gerade auf dem Klettergerüst hangelt oder auf der Toilette sitzt. Auch beim Schlafen, Essen oder am Strand sind sie daher immer up-to-date.

Wenn sie schon ältere Kinder haben, machen diese sich einen Spaß daraus, WhatsApp-Nachrichten der Eltern erst Stunden später zu beantworten. Zudem vergessen sie regelmäßig ihr Smartphone zu Hause und treiben ihre Eltern damit in den Wahnsinn.

4.      Die Hinterwäldler

Für Kinder gibt es nichts Besseres, als eine Abschottung von der Medienwelt, finden die Hinterwäldler. Statt TipToi oder Hatchimals kaufen sie natürliches Holzspielzeug und eine Murmelbahn im Spielwarenladen ihres Vertrauens oder bestellen beides im Waldorf-Katalog. Kurz nach der Geburt des Kindes sind sie von der Stadt aufs Dorf gezogen, wo sie auf mehr Natur und weniger Handywellen hoffen.

Die Hinterwäldler leben komplett ohne Smartphone und Fernsehen und ihre Kinder spielen erfreulich oft bei Freunden. Was sie nicht wissen: Die Kids stromern lange schon nicht mehr durch den Wald und bauen Staudämme, sondern zocken heimlich Fortnite.

5.      Die Medienjunkies

Die Medienjunkie-Eltern verlieben sich in Sekundenschnelle in die aktuellsten Technik-Trends und ihre Kinder profitieren nicht nur von neuen iPhones, sondern auch von Virtual Reality Brillen, einem Sprachassistenten und einem Kühlschrank, der automatisch verbrauchte Lebensmittel nachbestellt. Bei ihren Hausaufgaben helfen ihnen virtuelle Assistentinnen und mit Lern-Apps bestehen sie die nächste Physik-Arbeit locker.

So wirklich cool ist das Leben mit diesen Eltern trotzdem nicht, denn während die Medienjunkies selbst jedem Schnickschnack erlegen sind, achten sie bei ihren Sprösslingen auf pädagogisch wertvolle Angebote. Die Tablets werden mit Lernspielen ausgestattet und in den Mediatheken sind nur die Dokumentationen freigeschaltet.

6.      Die Ich-versteh-davon-nix-Eltern

Das Credo dieser Eltern lautet: „Davon versteh ich nichts.“, gern gepaart mit „Dafür bin ich zu alt“, obwohl sie gerade erst die 40 überschritten haben. Sie machen es sich im Tal der Ahnungslosen bequem und verbieten hin und wieder diese oder jene App, von der sie denken, dass sie den Kindern nicht guttun. Auf Diskussionen mit dem Sohn oder der Tochter lassen sie sich nicht ein, wenn diese „Aber warum denn?“ fragen. „Darum!“, heißt es dann nur, um sich nicht die Blöße der Ahnungslosigkeit zu geben. Es fühlt sich auf jeden Fall richtig an, nicht alles zu erlauben. Andere Eltern setzen schließlich auch Grenzen.

7.      Die Paranoiden

Wenn eine Mutter in der Krabbelgruppe vorschlägt, eine gemeinsame Eltern-WhatsApp-Gruppe einzurichten, bekommen die paranoiden Eltern direkt Schnappatmung! Es folgt ein langer Monolog über Daten und Datenschutz und im Ergebnis nötigen die Paranoiden die ganze Elterngruppe dazu, sich den Telegramm-Messanger herunterzuladen.

Die WhatsApp-Gruppe wird hinter ihrem Rücken trotzdem eröffnet und so schlagen die anderen gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: keiner muss auf Telegramm umsteigen und die Paranoiden bleiben den nächsten Verabredungen fern, bei der aktuelle Babyfotos für Instagram geknipst werden.

8.      Die hippen Eltern

Entweder schreiben die hippen Eltern einen Lifestyle-Blog, filmen sich für ihren YouTube-Kanal oder fühlen sich auf Instagram pudelwohl. Ihre Kleinen wissen schon ganz früh, wie man seine Hand kokett in die Hüfte stemmt oder einen Schmollmund vor der Kamera inszeniert. Die Kinder fragen: „Und wie viele Links hat mein Bild schon?“

Sobald Mama oder Papa wieder „Hallo ihr Liiiiieben“ zum Smartphone sagt, wissen die Kleinen Bescheid: jetzt erfahren die Fans live und in Farbe, was die Jungen und Mädchen heute gegessen haben, woher ihr Spielzeug stammt und warum sie sich gestern eingekackt haben. Von schlechten Noten über Mobbing bis hin zum ersten Knutschfleck nehmen die hippen Eltern kein Blatt vor den Mund. Wenn ihre Kinder selbst Nachwuchs bekommen, verbieten diese den Umgang mit Oma und Opa.

9.      Die Grenzensetzer

Was die Kinder alles mit den Medien machen, ist egal, solange die Grenzen klar abgesteckt sind. Der Grenzensetzer fühlt sich nämlich nur wohl, wenn alle Apps, Games und Fernsehsender akribisch mit Zeit-Zäunen umkreist sind. Hierfür haben sie ein ihnen wichtiges Wort ersonnen: „Medienzeit“.

Unter Gleichgesinnten loten die Grenzensetzer immer wieder neu aus, wie viel dieser Medienzeit gut für ihre Kinder ist. Zu wenig Medienzeit wirkt herzlos („Da können sie es den Kindern auch gleich ganz verbieten!“), zu viele Stunden hingegen stellen das Konzept der Medienzeit in Frage. Um die Balance zu finden, wird die Medienzeit daher ständig geändert, abhängig davon, was die anderen Grenzensetzer machen oder aktuelle Studien sagen.

10. Die Alles-richtig-Macher

Das mit den Medien, haben die Alles-richtig-Macher voll im Blick. Sie wissen genau, was bei ihren Kids gerade angesagt ist, denn sie haben vorsorglich den Newsletter von verschiedenen Teenie-Zeitschriften abonniert. Wenn eine neue App vorgestellt wird, laden sie diese gleich mal herunter und werfen am Abendbrottisch in die Runde „Hast du eigentlich auch dieses krasse Furreal Friends Unboxing Video auf YouTube gesehen?“

Die Kinder reagieren auf solche Gespräche wortkarg mit „hm“ oder „nö“ oder „weiß nich“, haben aber umso mehr Wörter, wenn sie sich im Nachgang mit ihren Freunden über die oberpeinlichen Eltern schlapp lachen. „Alter, die haben sich echt ein Unboxing Video von so einer kackenden Spielzeugkatze angesehen XD“.

Hast Du Eltern aus Deinem Bekanntenkreis wiederentdecken können, die genau zu einem der Elterntypen passen? Und was ist eigentlich mit Dir? Ich selbst passe in ziemlich viele Kategorien – je nach Laune. Man sagt ja immer, dass Autoren am liebsten über sich selbst schreiben, also sind das wahrscheinlich alles Teile meiner Persönlichkeit 😉

Deine

5 Kommentare zu „10 Elterntypen und wie sie mit Medien umgehen

Gib deinen ab

    1. Hallo Sarah, mir kommen sie auch alle sehr bekannt vor. Ich habe mit meinen Kindern schon darüber gesprochen, dass die reale Welt wichtiger ist als Handy, Computer oder Fernseher – Zurecht erinnern sie mich daran. Ich hab hier zwei kleine Aufpasserinnen zu Hause; das hilft auch 🙂 Lg, Nadine

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  1. Hallo Dresden Mutti, wir beschäftigen uns mit den gleiche Dingen, auf ganz andere Arten, musste jetzt zweimal schmunzeln, hier und bei der Schulanfangsstory. Bei uns, im erzkatholischen Kärnten 😉 iIch bin auch ist die Einschulung erst in zwei Wochen. Ich bin auch schon sehr gespannt…. Ich hab dir ein Abo da gelassen, für weitere Ausflüge in Paralellwelten…. Liebe Grüße Laura

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    1. Hallo Laura,
      da muss ich mal vorbeischauen. Danke für deinen Kommentar und alles Liebe für die Schuleinführung. Bayern ist wie jedes Jahr überraschend spät dran mit den Sommerferien – Genießt die Zeit!
      Viele Grüße
      Nadine

      Gefällt 1 Person

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