Darf, kann, soll ich als Mutter noch Ziele haben? (Blogparade)

Darf oder kann oder soll man als Mutter noch Ziele haben? Was auf den ersten Blick wie eine sehr absurde Frage aussieht, ist auf den zweiten Blick doch eine Antwort wert. Denn ihr wisst ja: es gibt keine dummen Fragen, sondern nur dumme Antworten.

Ich habe mich dazu entschlossen, an der Blogparade von Silvia von Vivabini teilzunehmen und die Frage für mich zu beantworten.

Wie wichtig bin ich?

Wenn dein Baby auf die Welt kommt, würfelt es alles durcheinander und sorgt für einen Ausnahmezustand, in dem sich Eltern häufig in ihrem ganz eigenen Kosmos bewegen. Ich hatte eine gute Hebamme, die immer auch nach mir und meinem Wohlergehen schaute, aber im Grunde fand ich es viel wichtiger, dass es meinem Baby gut geht. In diesen ersten Tagen nach der Geburt zählt eigentlich nichts anderes.

Ist das Baby gesund? Trinkt es genug Milch? Verträgt es die Windeln, die wir ausgewählt haben oder müssen wir die Marke wechseln? Sollen wir vielleicht doch auf Wickelbodys umsteigen, weil es das Baby nicht mag, wenn ihm etwas über den Kopf gezogen wird? Der ganze Tagesablauf und auch die Nächte werden nach den Bedürfnissen des Babys ausgerichtet, denn es soll gut auf der Welt ankommen.

In dieser ersten Ankommensphase ist man nicht wichtig. So war’s zumindest bei mir. Natürlich erkundigen sich alle brav, wie die Geburt gelaufen ist und wie es einem geht und wie die Nächte sind etc., aber mir selbst war das alles nicht so wichtig. Das kleine Bündel Leben hatte eindeutig Priorität vor allem anderen.

Was will ich noch?

Für immer kann man sich der Außenwelt aber nicht entziehen. Auch wenn die Arbeit vielleicht aufgrund von Elternzeit noch entfernt liegt, klopfen doch die Freunde so langsam wieder an und fragen nach Treffen oder gemeinsamen Unternehmungen. Aber welche Interessen hat man noch? Möchte man seinen freien Abend wirklich im Kino verbringen oder einfach nur bei einer Freundin chillen und quatschen? Hat man noch Lust ins Museum zu gehen?

Ich weiß noch, dass ich oft einfach nur ziemlich müde war und eigentlich gar keine Lust hatte, etwas zu unternehmen. Vielleicht kennt ihr das? Gibt man den Drang dann nach, immer zu Hause zu bleiben oder stürzt man sich doch mal wieder ins Getümmel? Ich denke, das ist sehr charakterabhängig und auch der Schlüssel für die Frage aus der Überschrift…  Darf ich Ziele haben? Ja. Kann ich Ziele haben? Ja. Soll ich Ziele haben? Keine Ahnung.

Die Frage ist superschwierig zu beantworten

Wie soll man für einen anderen Menschen diese Frage beantworten? Ich würde natürlich spontan schon sagen, dass man Ziele im Leben haben sollte, einfach weil es aufregend ist, einen bestimmten Weg zu gehen und man an den einzelnen Stationen, an denen man ankommt, wahnsinnig viel Glück empfinden wird.

Doch da projiziere ich mein Leben und meine Einstellung zum Leben auf andere Mütter und das ist nicht ganz fair.  Zum einen weiß ich, dass es ein sehr anstrengender Job ist, Eltern zu sein.  Warum soll ich anderen Menschen noch zusätzlich Druck machen, wenn sie zufrieden mit Ihrem Leben sind? Zum anderen: volle Aufopferung für die eigenen Kinder ist doch etwas sehr romantisches. Die Kinder haben eine tolle Kindheit und eine Mutter die immer hinter ihnen steht. Vielleicht lieben es einige Mütter, ihre Kinder optimal und mit ihrer ganzen Zeit und Energie zu fördern und auf ihren Wegen zu begleiten.

Was bleibt?

Wenn man sich allerdings umschaut unter Müttern, die so gelebt haben, stellt sich die Frage: Was bleibt? Irgendwann sind die Kinder groß und man hat keine andere Richtung, die man einschlagen könnte. Zumal sich die Frage stellt, ob man den Kindern nicht eine ziemlich große Last aufbürdet, wenn sie der Dreh- und Angelpunkt des elterlichen Glücks sind?

Auch das ist kein Argument. Natürlich kann man auch noch einen anderen roten Faden im Leben finden, wenn die Kinder aus dem Haus sind. Neue Hobbys, neue Arbeit, neue Selbstständigkeit…

Für mich sind Ziele wichtig

Meine Töchter sind inzwischen relativ groß. Mit fünf Jahren und vier Jahren geben sie mir ausreichend Zeit, um noch andere Ziele als das Familienglück zu verfolgen. Mir persönlich tut es auch sehr gut, mich nicht nur auf eine Sache zu fokussieren, sondern ganz verschiedene Ziele  zu verfolgen.

Als erstes wäre da die Arbeit. Ich bin eigentlich kein Mensch, der behauptet dass ihm langweilig würde, wenn er nicht jeden Tag arbeiten gehen könnte, im Gegenteil, aber die Arbeit ist ein besonders spannender Bereich. Hier sitzen noch viele andere Menschen mit im Boot und man arbeitet sowohl gemeinsam auf Ziele hin als auch allein. Außerdem kann man sich immer weiter entwickeln und wir zum Profi auf seinem Gebiet.

Als ich meine Töchter bekam steckte ich noch im Studium und musste den Master abschließen. Kaum bestanden, folgte meine erste Arbeitsstelle und letztes Jahr unser Umzug von Bonn nach Dresden. Alles ist in Bewegung und fühlt sich gut für mich an.

Ein anderes Ziel ist zum Beispiel dieser Blog hier. Ich habe ihn erst vor drei Monaten gegründet und verfolge einige private Ziele mit ihm, die bislang ganz gut laufen. Es ist einfach toll zu sehen, wer mein Blog liest und ich bekomme auch Anfragen für Kooperationen. Nach so wenigen Wochen! Hier kann ich zudem meine Kreativität auslassen und schreiben, worüber ich Lust habe, was auf Arbeit eher selten der Fall ist. Da schreibe ich ja für Kunden.

Auch in Hobbys finde ich meine Erfüllung. Immer wieder setze ich mir neue Ziele, welches Nähprojekt ich angehen und fertigstellen möchte.  Das macht mir wahnsinnig viel Spaß und ich bekomme auch viel Zuspruch von Familien und Freunden. Ich nähe erst seit drei Jahren, aber ich kann in jedem Fall sagen: es ist ziemlich toll ein Hobby zu haben!

Zwischendurch komme ich immer noch auf andere Ideen und Ziele, die ich verfolgen möchte. Für mich persönlich macht das sehr viel Spaß, weil ich mich nicht gerne vom Alltagstrott einnehmen lasse. Es gibt zwar auch zwischendurch Tätigkeiten, die mir Spaß machen, wie Einkaufen gehen oder Kochen, aber es lohnt sich, den Alltag zu durchbrechen.  Das kann zum Beispiel auch ein gutes Buch sein, das man lesen möchte. Man muss ja nicht gleich selbst eins schreiben (Ein Buch zu schreiben steht allerdings auch auf meiner To-do Liste für irgendwann.)

Ziele tun mir gut

Mit eigenen Zielen mache ich mich nicht von anderen abhängig. Das ist auch ein Punkt, der vielleicht unterschätzt wird. Wenn ich immer um das Familienglück bemüht bin, kränkt mich unter Umständen schon, wenn das Pausenbrot nicht aufgegessen wird oder es keine Beachtung dafür gibt, dass ich den Boden gewischt habe etc. Wird nicht irgendwann alles, was ich für die Familie tue, als selbstverständlich empfunden? Mir tut es gut, eigene Dinge zu haben. Wenn meine Kinder lieber mit ihren Freunden spielen gehen, als mit mir etwas zu unternehmen, finde ich das völlig o. k., denn es gibt genug andere Dinge, mit denen ich mich beschäftigen kann.

Ich hoffe, mein Standpunkt zu dieser Frage ist deutlich geworden. Ich für meinen Teil bewundere Eltern, die ihr Leben für ihre Kinder geben. Ja, ich könnte das nicht und ich will das auch gar nicht. Trotzdem. Ich kenne Eltern, die ihre Kinder nicht in den Kindergarten geben und die das einfach gerne tun und darin aufgehen. Das ist genauso in Ordnung wie alle anderen Lebensentwürfe. Es ist nur aber nicht meiner.

Lebe im Jetzt

Ein letzten Gedanken habe ich dazu noch, da ich gerade bei Netflix „Der große Trip – Wild“ anschaue. Die Hauptfigur hat eine Mutter, die an Krebs erkrankt war und zu ihrer Tochter sagte: „Ich war immer nur Ehefrau und Mutter. Ich hatte die Hände nie selbst am Steuer. Ich dachte immer, ich hätte noch so viel Zeit…“

Bei der Frage, ob wir Ziele im Leben verfolgen sollten, muss immer im Vordergrund stehen, dass wir uns im Jetzt wohl fühlen und dass wir jetzt genau das machen, was wir machen wollen. Mütter können sich in vielen Rollen wohl fühlen, sie sollten ihr Leben aber nicht verschieben.

 

Wie wichtig sind euch Ziele?

eure

 

15 Kommentare zu „Darf, kann, soll ich als Mutter noch Ziele haben? (Blogparade)

Gib deinen ab

    1. Ja, das auf jeden Fall. Allerdings ging es eher weniger um Freiräume an sich. Ein Buch lesen oder ins Kino gehen – das ist ein schöner Zeitverteib, aber kein Ziel, das man irgendwann erreichen kann. Da sehe ich nochmal einen entscheidenden Unterschied.

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  1. Liebe Nadine,

    eine sehr interessante Frage, finde ich auch – und mir gefällt, wie differenziert du diese für dich beantwortest. Ich selbst würde für mich auch ganz klar antworten: natürlich brauche ich für mich – auch außerhalb meiner Rolle als Mutter – noch Ziele, aber gerade meine Erfahrungen als Mutter prägen momentan auch, welche Ziele ich mir setze und wofür ich mich letztlich interessiere. So ist z.B. mein Blog vor einigen Monaten aus einem wachsenden Interesse für gesellschaftliches Aktiv-und Engagiertsein entstanden, das sicher auch durch die Erfahrungen mit meinem Sohn (jetzt 3) entstanden ist. Vielleicht hast du ja Lust, mal in meinen Blog (https://mutter-und-sohn.blog) zu schauen und eventuell auf weiteren Austausch! Liebe Grüße, Sarah (alias „Sunnybee“)

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  2. Sorry, will dich nicht mit Kommentaren bombardieren… mein erster Kommentar zu diesem Artikel wird bisher auf deiner Seite nicht angezeigt, daher dachte ich, er sei vielleicht verloren gegangen und habe ihn dir nochmal geschickt… aber vermutlich musst du ihn bloß freischalten😅 Lg, Sunnybee

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    1. Hey Sunnybee, ich war auch erst verwundert, was da passiert ist. Ich denke, es liegt an deinem Link, den du eingefügt hast. So wurde dein Kommentar vorsichtshalber als SPAM markiert und ich musste ihn freischalten. Das habe ich auch getan 🙂 Viele Grüße aus Dresden 🙂

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  3. Du schreibst so ein wenig wie diese manipulativen Ratgeber oder Coaches, von denen der Markt seit Dale Carnegie immer mehr überflutet wird. Leb doch einfach dein Leben und tu was dir Spaß macht und dir in deinem Rahmen möglich ist. Wo ist das Problem? Ich tu das schon immer so. Wer verbietet dir, dein Leben zu gestalten? Und lass doch die anderen Leute auch ihr Leben leben. Das Aufpuschen und Suggerieren, dass mehr besser sei, kann anderen auch schaden, weil es irgendwann zu einem bösen Erwachen und sogar schweren Depressionen führen kann. Willst du dafür die Verantwortung übernehmen? Außerdem will kein Mensch wirklich glücklich werden und jeder arbeitet eigentlich dagegen, denn es wäre stinklangweilig, glücklich zu sein oder alle Ziele zu erreichen. Lebe dein Leben. Das ist alles, wozu wir geboren sind: Einatmen, ausatmen, den Kreislauf laufen und die Verdauung verdauen lassen. Alles andere ist Tand und Spielerei und Zeitverbreib. Oder lüge ich? Leben kann einfach sein. Ziele meinetwegen, aber nicht um jeden Preis. Wäge ab, was dir wichtig ist und setze Prioritäten. Punkt. Mehr gibt es nicht zu sagen.

    Blog hat sich erledigt: Zurück ins Leben und nicht hier die Zeit vergeuden mit Binsenwahrheiten und Hirngespinsten. Du belügst dich auf Dauer nur selbst – und deine Leser und Follower usw. LG PP

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      1. Mir hat der Beitrag sehr gut gefallen, nur gehen mir die vielen auf die Nerven, die sich „Coach“ nennen oder ähnlich auf andere Menschen Einfluss nehmen wollen. Verzeih mir, aber ich hab schon so viele „Ratgeber“ gelesen, so viel Zeit damit verschwendet und wenn ich heute auf ein neues Blog gehe, komme ich immer auf solche Blogs. Ist das ein Boom? Wenn du andere Absichten hast, habe ich mich in dir getäuscht. Falls du doch vor hast, so eine Art Lebensberater zu werden, dann lösch meine Einträge und zieh dein Ding durch. Ich wünsch dir Glück. LG PP

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      2. Nein, ich bin keine Lebensberaterin, sondern habe nur an einer Blogparade teilgenommen und erläutert, warum die Frage „Soll, kann, darf Mama Ziele haben?“ für jeden anders und ganz individuell zu beantworten ist. Jeder Mensch ist anders. Das sagt alles, sollte man meinen.

        Du darfst hier selbstverständlich frei schreiben, was du zu einem Thema beisteuern möchtest. Da gibts keine Zensur und die Kommentare werden auch nicht extra von mir freigeschaltet, sondern erscheinen direkt im Blog. Ich lösche nichts; viele Grüße

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      3. Mea Culpa. Ich liege auf dem Boden vor dir und küsse deine kleinen Füße, dass du ein „normales“ Blog führst. Ich will ein Kind von dir, hätt ich beinahe gesagt, aber du hast ja schon eins 😉

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