Was brauchen Familien wirklich?

Sunnybee läd mit der Frage „Was brauchen Familien wirklich“ zur Blogparade eine. Gerade heute ist wieder so ein Tag, an dem ich vieles brauche und mir der Kopf schwirrt, aber dazu später mehr.

Erstens: Familien brauchen Zeit

Gerade in den ersten Jahren als Familie braucht man Zeit für den neuen kleinen Menschen. Deutschland rühmt sich gern mit der Elternzeit und dem 2007 eingeführten Elterngeld, was ja tatsächlich eine Unterstützung sein kann. Leider ist die Spanne zwischen 300 und 1800€, sodass manche Familien sich eine Auszeit nicht leisten können.

So arbeiten dann doch viele Eltern schnell wieder 40 Stunden/Woche, obwohl sie im Kleinkindalter mit 20 oder 30 Stunden glücklicher wären. Die langen Nächte mit dem wenigen Schlaf und die viele Zusatzarbeit (Stillen, wickeln, füttern, rumtragen, …) plus der Haushalt können ziemlich an den Nerven zerren.

Idee: Ich bin aus diesem Grund eine Verfechterin der 30-Stunden-Woche. Auch wenn viele Chefs bei dieser Vorstellung Schnappatmung bekommen mögen: mit 30 Stunden/Woche und dem gleichen Cash am Monatsende auf dem Konto würde es nicht nur Menschen mit Kindern spürbar besser gehen. Endlich bleibt auch mal Zeit zum Durchatmen.

Zweitens: Familien brauchen Geld

Money, Money, Money – Es ist bei uns immer wieder ein Thema, obwohl wir 40 und 32 Stunden arbeiten, was gar nicht mal so wenig ist. Was mich gerade wieder beschäftigt ist ein aktuelles Problem. In diesem Jahr startet die nebenberufliche Erzieher-Ausbildung, die mein Mann machen muss, denn die Stadt Dresden wird ihn ohne die Ausbildung nicht weiter als Hortbetreuer beschäftigen (Zum Glück darf er die Ausbildung nun doch machen, letzten Monat sah es diesbezüglich noch düster aus), aber…

  1. Er muss die Ausbildungskosten selbst tragen.
  2. Es werden ihm die 20 Stunden NICHT als Arbeitszeit angerechnet.
  3. Er muss für 3 Monate ein Praktikum machen – Vollzeit und unbezahlt.

Ich könnte kotzen. (Sorry, aber is doch so.)

Mit seiner 32-Stunden-Woche käme er dann insgesamt auf 52 Stunden und das ganze soll 4 Jahre gehen. Unrealistisch. Eine Lösung haben wir für die Situation noch nicht.

Idee: Ausbildungen und Weiterbildungen von Eltern finanziell unterstützen. Das kommt der ganzen Familie zu Gute, wenn sich Papa oder Mama beruflich weiterentwickeln kann.

Drittens: Familien brauchen Kinderbetreuung

Hier sind wir in Dresden top ausgestattet, denn die Betreuung ist zuverlässig. Von 6:30 bis 17:30 Uhr – durchgehend auch in den Ferien gibt es ein Betreuungsangebot. Sogar für Grundschulkinder.

Idee: Die Betreuung durch Kindergarten und Schule sollte überall so gut geregelt sein, dass Eltern in diesen Zeiten arbeiten können. Ich schreibe das so ausführlich, weil wir in Bonn einen Platz von 7:30 Uhr bis 14:30 Uhr hatten und viele Wochen Ferien im Jahr, sodass wir gezwungen waren, wenig zu arbeiten. Ich möchte darüber selbst entscheiden können, denn ich muss von dem Gehalt letztlich leben – und die KiTa-Beiträge bezahlen.

Wie wollen wir die Zukunft für Familien gestalten?

Wo fangen wir an, wenn wir eine Zukunft gestalten wollen, so wie wir sie uns vorstellen? Auch für unsere Kinder. Wir sollten weiter unbequem sein, weiter fordern, was wir uns wünschen, was wir brauchen und was notwendig ist. Wir müssen auch erkennen, was für uns notwendig ist.

Werde dir klar, was du möchtest und sprich offen darüber, damit es viele hören, verstehen und sich anschließen.

deine

Schriftzug Dresden Mutti

8 Kommentare zu „Was brauchen Familien wirklich?

Gib deinen ab

  1. Wow, Nadine,

    danke für deinen klugen, kämpferischen Blogparaden-Beitrag! Ich würde sogar soweit gehen zu sagen: Lasst uns schlicht die Möglichkeit zu Teilzeit-Arbeit fordern mit wirklich denselben Karrierechancen – das kommt dann auf deinen Vorschlag „mehr Cash für (phasenweise) weniger Stunden“ heraus.

    Aber vielleicht müssen wir noch viel weiter denken, nämlich nicht unser ganzes privates Leben um die Arbeit herumbauen. Ich arbeite selbst sehr gerne in meinem Beruf, hier schreibe ich z.B. darüber – aber die Phasen, in denen ich quasi nur dafür lebe, irgendwo zwischen Arbeitsberg und Familienaufgaben zu „überleben“ hasse ich und sie bringen mich immer wieder dazu, den Sinn des ganzen Konstrukts (Arbeiten für einen gewissen Lebensstandard, dann aber keine Zeit und Energie haben, diesen Standard wirklich zu genießen) in Frage zu stellen. Und da klage ich noch auf hohem Niveau: viele Eltern müssen sich ja beruflich verausgaben und werden noch nicht mal angemessen bezahlt (z.B. Erzieher/innen). Absurd, welche Forderungen da an deinen Mann herangetragen werden!

    Aber ich will nicht (nur) schimpfen. Du hast Recht: wenn uns was (massiv) stört, lass es uns zunächst selbst anders machen, darüber reden und andere daran teilhaben lassen – das zieht, daran glaube ich fest, auch seine Kreise!

    Herzlichen Gruß (das war jetzt eine lange Antwort!🙂), Sarah/Sunnybee

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  2. … und noch eine Bitte: Könntest du in deinem Artikel selbst noch dem Link zu der Blogparade setzen? Danke! Vielleicht hat ja sonst noch jemand Lust und findet so leicht den Weg!🙂 Lg, Sarah

    Gefällt 1 Person

  3. Danke! Sehr schöner, inspirierender Artikel, finde ich! Ich habe dir dazu in meinem Blog schon geantwortet und wollte hier eigentlich auch noch meinen Kommentar hinterlassen, aber da hat WPress irgendwie nicht mitgemacht…😉 Lg und freue mich, dass du dich bei meiner Blogparade beteiligt hast! Sarah

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