Mediennutzung richtig vorleben + 3 Challenges

Foto: rawpixel | Pixabay

Wenn Eltern über Medien sprechen, haben sie meistens ihre Kinder im Sinn: Ab welchem Alter dürfen sie fernsehen und wie lange? Sollte ich die Playstationzeit begrenzen? Brauchen sie ein Smartphone und wie kann ich sie vor den Gefahren von Cyberkriminalität, Cybermobbing oder der Mediensucht schützen?

Was wir als Eltern aber viel zu wenig bedenken, ist unser eigener Umgang mit Medien. Aus diesem Grund habe ich beschlossen, heute einen Blick auf die Eltern zu werfen, denn ein gesundes Mediennutzungsverhalten beginnt nicht bei Verboten und einem dicken Regelwerk für Kinder, sondern bei uns selbst. Sind wir gute Vorbilder?

Dieser Beitrag wird von der Initiative SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht.“ unterstützt. Er wurde von mir eigenständig redaktionell entwickelt.

Wie nutzen Eltern eigentlich Medien?

Dies soll kein Beitrag werden, der dir Regeln für ein medienfreies Leben aufzeigt, denn wir leben in einer Welt voller beeindruckender Technologien, die unser Leben gestalten und vieles für uns einfacher machen, da stimmst du mir sicher zu? Wir wollen nicht auf Medien verzichten, sondern gut mit ihnen zusammenleben.

Ich werde morgens von meinem Handy geweckt und noch bevor ich mir die Zähne geputzt habe, schau ich mal kurz bei What´s App, Instagram und Facebook rein, ob sich über Nacht etwa getan hat und ich frage die Wetterprognose für den kommenden Tag ab. Gerade jetzt im Herbst ist das Wetter so flatterhaft, dass ich lieber auf Nummer sicher gehe.

Im Urlaub mit meiner Freundin haben wir uns die ganze Zeit mit Google Maps durch die Stadt navigiert, die Abfahrt der Fähre online eingesehen, Empfehlungen für gute Restaurants gelesen und meine Freundin hat mir ihre Lieblingsmusik vorgespielt. Ich habe mein Zugticket via Handy gebucht und sie hat online ihren Flug eingecheckt. Wir haben unseren Liebsten zu Hause Fotos geschickt und diese auch auf Facebook und Instagram geteilt.

Mein Mann spielt gern Playstation und spricht mit dem Headset mit seinem besten Freund, der 600 km entfernt ist, und ich halte Kontakt zu meinen Studi-Freunden. Wenn wir telefonieren, nutzen wir den Video Anruf. Immer mehr greift die virtuelle Welt in unser Leben ein – wir können inzwischen sogar Fahrräder und E-Trolleys mit dem Smartphone freischalten und schon seit langer Zeit unsere Bücher als E-Books lesen.

Medien haben sich ihren Platz in unserem Leben fest gesichert.

Medien-Selbstreflexion: Wie gut tun wir uns?

Was nach einem gigantischen Fortschritt klingt, und es ohne Zweifel auch ist, überfordert uns aber auch schnell. Ich habe mich selbst schon oft genug dabei erwischt, wie ich eine Serie auf Netflix schaue und gleichzeitig am Smartphone scrolle. Warum? Medien haben eine große Sogwirkung, die uns anzieht. Ich denke manchmal über Gespräche in Facebook-Gruppen nach, selbst wenn ich gar nicht mehr online bin…

Am schlimmsten ist die Sogwirkung aber, wenn ich mit den Kindern zusammen bin. Wenn ich dann am Handy festhänge und die Kinder wollen alle 3 Sekunden etwas von mir, bin ich direkt genervt. Meine 6-jähirge Tochter hält mir aber gern den Spiegel vor. In einem Lied, das sie oft hört, wird gesungen: „Nimm den Chip aus dem Kopf!

Mama am Handy

Bild: Pexels | Pixabay

Ist es das was ich will? Nach Hause kommen, Fernseher an, am Handy rumdatteln, bis es Zeit wird, schlafen zu gehen?

Verpass nicht das echte Leben!

„Einsicht ist der erste Weg zur Besserung“, sagt man. Mir ist klar, dass ich meine Freizeit nicht an mir vorbeiziehen lassen will. Es gibt so viele Dinge, die ich lieber tun möchte, als mich berieseln zu lassen oder Diskussionen im Social Media zu führen, die niemandem von meinem Standpunkt überzeugen. Außerdem sollen auch meine Kinder sehen, was wichtig im Leben ist.

Es geht nicht darum, Medien aus dem Leben zu verbannen, sondern sie gezielter einzusetzen. Es ist wie mit Schokolade: Wenn du dir ab und zu ein Stück gönnst, ist das Zerschmelzen auf der Zunge ein wundervoller Genuss (bei mir ist es das zumindest). Spachtelst du jedoch vor dem Fernseher drei Tafeln Schokolade in dich hinein, wird dir einfach nur schlecht und was bleibt ist ein mieses Gefühl.

3 Challenges für einen bewussteres Mediennutzungsverhalten

Ich habe heute drei Challenges für dich zusammengestellt, mit denen du dein Leben umkrempeln kannst. Ich selbst habe sie alle ausprobiert und kann sie unbedingt weiterempfehlen. Die Challenges sind auf den Alltag von Eltern ausgelegt, damit sie auch in der Realität umgesetzt werden können. Viel Spaß beim Ausprobieren! Den Zeitraum legst du selbst fest.

Challenge 1: der medienfreie Sonntag

Was auf den ersten Blick heftig klingen mag, entpuppt sich als wundervolle Methode seinen Sonntag schöner zu gestalten. Die Challenge besteht darin, den kompletten Sonntag ohne Medien zu verbringen – und das betrifft alle Familienmitglieder.

Familie und Medien

Foto: 27707 | Pixabay

Als wir das erste Mal die medienfreien Sonntage eingeführt haben – die Idee stammte von meinem Mann – war ich hin und hergerissen, denn am Sonntag hat man endlich mal Zeit, morgens ein bisschen durchs Social Web zu scrollen, im Schlafanzug Cartoons zu gucken oder an der Playstation zu zocken.

Positiver Effekt: Schnell merkte ich, dass sich der Sonntag extrem verlängert und ich innerlich ruhiger wurde. Ich muss sonntags keinen Artikel für den Blog schreiben oder mein Instagram-Profil bespielen. Wenn meine Familie mich erreichen will, kann sie einfach übers Festnetz anrufen. Fotos mache ich mit meiner Spiegelreflex, die sowieso viel schönere Bilder machen kann.

Challenge 2: die Ausruh-Box fürs Smartphone

Die Ausruh-Box fürs Smartphone hängst du z.B. gleich neben dem Garderobenständer auf oder neben dem Schlüsselbrett. Wenn du nach Hause kommst, packst du dein Smartphone in seine Box, wo es sich vom Tag erholen darf. Du kannst die Box auch gleichzeitig als Ladestation verwenden.

Lass das Smartphone solange in der Box, bis deine Kinder eingeschlafen sind und nimm es erst danach wieder in die Hand. Nun kannst du dir selbst eine bewusste Medienzeit gönnen. Deine Freunde gewöhnen sich schnell daran, dass du nur noch abends gegen 20:30 Uhr auf Fragen reagierst. Wer schreibt vor, dass wir nonstop erreichbar sein müssen? Wir arbeiten, wir haben Kinder, wir gehen Hobbys nach. Wir müssen ganz sicher nicht nonstop erreichbar sein.

Positiver Effekt: Der Nachmittag ohne ständige Unterbrechungen läuft ruhiger ab und du findest mehr Zeit für dich selbst. Du wirst wahrscheinlich schnell feststellen, dass du dich nachmittags viel besser entspannen kannst.

Challenge 3: der Eltern-Kind-Medientag

Verzichten ist das eine, bewusst einsetzen das andere. Schon mit Kindergartenkindern kannst du eigene kleine Medienprojekte durchführen wie die Erstellung eines Fotoalbums. Zieht mit Handys und Digitalkameras los und fotografiert eure Heimatstadt/euer Heimatdorf. Was gibt es hier zu entdecken? Wo esst ihr gern Eis, wo fahrt ihr Inlineskates, wo kauft ihr eure Lebensmittel? Nachher stellt ihr die Fotos digital zusammen und lasst euch das Projekt als Buch oder Poster drucken.

Medientag

Foto: flaviocesarg | Pixabay

Ihr könnt auch eigene Musik aufnehmen. Wir haben beispielsweise schon einmal Kinderlieder gesungen, aufgenommen und eine CD daraus gemacht. Erstellt einen Kurzfilm zusammen, übt euch in Bildbearbeitung, schreibt einen Internetblog oder erstellt ein Instagram-Profil, auf dem ihr Tierfotos teilt – Es gibt viele Möglichkeiten.

Auf dem Hechtfest haben zwei Jungs ein Mini-Kino aufgebaut und dort ihren fünf Minuten langen Stop Motion-Film vorgeführt, den sie mit Lego-Figuren gedreht haben. Das ist großartig.

Positiver Effekt: Du entdeckst die kreativen Möglichkeiten von neuen Medien wieder völlig neu für dich und kannst gemeinsam mit den Kindern einiges dazu lernen. Lass dich überraschen, wie einfach es heute mit den richtigen Apps und Tools ist, Medienprojekte auf die Beine zu stellen. Wer den Switch von einer passiven zu einer aktiven Mediennutzung schafft, wird den Unterschied merken: es macht stolz und glücklich.

Medien bewusst nutzen: für mehr Zufriedenheit im Alltag

Wir Eltern sind auch nur Menschen, was mir gar nicht so klar war, bevor ich selbst Mutter wurde. Es legte sich bei der Geburt meiner Tochter kein Schalter um. Ich verwandelte mich nicht von einer Tochter zu einer Mutter, ich blieb ich. Trotzdem habe ich jetzt natürlich eine Vorbildfunktion und muss für mich herausfinden, wie ich als Mama Medien sinnvoll nutzen kann.

Klar ist: Weiterentwicklungen passieren nicht einfach so, sondern müssen von uns aktiv gestaltet werden. Ich hoffe, unsere Challenges sind auch für dich eine gute Möglichkeit, etwas Neues auszuprobieren und Medien anders und bewusster zu nutzen.

Hast du auch eine coole Challenge?

2 Kommentare zu „Mediennutzung richtig vorleben + 3 Challenges

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  1. Liebe Nadine, ein sehr interessanter, gelungener Artikel!🙂 Spannend, die Perspektive auf unser eigenes Medienverhalten, auch als Eltern! Die „Challenges“, die du vorschlägst, sind tatsächlich einen Versuch wert und die Idee der kreativen Mediennutzung mit den eigenen Kindern finde ich super. Deine Erfahrung, bei bewussten Smartphone-Verzicht über einige Stunden oder auch Tage wirklich ruhiger zu werden, kann ich nur unterschreiben. Ich habe sogar bei mir im Blog schon einmal darüber geschrieben: https://mutter-und-sohn.blog/2018/06/27/flugmodus-warum-mir-zeiten-digitaler-stille-wichtig-sind/ Danke für die Erinnerung!🙂 Viele Grüße, Sarah

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