Mutterschaft ist, was du draus machst.

Einzelne Strähnen fallen ihr ins Gesicht. Sie lacht, während sie für ihr Kind Bausteine übereinander stapelt und ihm einen Kinderspruch aufsagt. Der Kaffee wird nebenher kalt. Den erhitzt sie später wieder in der Microwelle, wenn das Kind schläft vielleicht oder wenn Papa nach Hause kommt. So ist das bei einer Mama. Oder ist es eher so in einem Instagram-Posting oder Werbevideo? Wenn wir uns eine Mutter vorstellen, haben wir meist ein genaues Bild vor Augen und meinen Mütter sind „so und so“ und tuen „dies und das“. Das stimmt allerdings gar nicht. Wir können auch ganz andere Mütter sein, denn:

Mutterschaft ist, was du draus machst!

Angeregt durch Sarahs Blogartikel „Vier Mythen rund ums Muttersein… und die Wahrheit dahinter“ auf dem mutter-und-sohn.blog möchte ich auch auf drei Mythen rund um Mutterschaft/Kinder/Familie näher eingehen.

#1 Mythos: „Schwangerschaft ist keine Krankheit“

Welche Intention steckt eigentlich hinter diesem Satz? Schwangerschaften können gemeine Nebenwirkungen mit sich bringen. Rückenschmerzen, Schlaflosigkeit, Sodbrennen und Übelkeit seien nur einige, die ich hier exemplarisch nennen mag. Ich persönlich habe eine ganz ausgefeilte Leidensgeschichten, denn meine Schwangerschaften mit Hyperemesis gravidarum waren wirklich schlimm. Daher trifft dieser Satz einen ganz sensiblen Nerv bei mir.

Sagt jemand, Schwangerschaft sei keine Krankheit, meint er dann im Grunde nicht: „Stell dich nicht so an“? Derjenige nimmt weder die Leiden der Schwangeren ernst noch die damit einhergehenden Beschwerden in Alltag, Schule und Beruft. Doch es ist wichtig, die Beschwerden zu sehen, denn nur wo ein Problem erkannt wird, kann auch eine Lösung gefunden werden. Im Mutterschutzgesetz sind zum Glück einige hilfreiche Maßnahmen für Schwangere festgehalten. In diesem Gesetzt heißt es:

Dieses Gesetz schützt die Gesundheit der Frau und ihres Kindes am Arbeits-, Ausbildungs- und Studienplatz während der Schwangerschaft, nach der Entbindung und in der Stillzeit. Das Gesetz ermöglicht es der Frau, ihre Beschäftigung oder sonstige Tätigkeit in dieser Zeit ohne Gefährdung ihrer Gesundheit oder der ihres Kindes fortzusetzen und wirkt Benachteiligungen während der Schwangerschaft, nach der Entbindung und in der Stillzeit entgegen.

https://www.gesetze-im-internet.de/muschg_2018/__1.html

Lassen wir den Mythos „Schwangerschaft ist keine Krankheit“ also bitte aus dem Sprachgebrauch verschwinden. Schwangerschaft kann viele Facetten haben: von der Traumschwangerschaft bis zur Krankheit. Wir müssen die Risiken und die möglichen Symptome anerkennen, um Schwangeren ein gesundes Umfeld bieten zu können.

#2 Mythos: „Babys müssen auch mal schreien gelassen werden.“

Ich habe nie verstanden, warum Menschen immer wissen wollten: „Lässt du die Kinder auch mal schreien“? Das erste Mal wurde mir diese Frage gestellt, da hatte ich neben der Uni begonnen, in einer Kinderkrippe zu arbeiten. Ich kümmerte mich um Kinder zwischen 5 Monaten und 2-3 Jahren. Ich wickelte sie, ich kuschelte sie, ich las vor, fuhr sie im Kinderwagen herum, hüpfte mit ihnen, schaukelte sie, fütterte sie, tröstete sie, malte mit ihnen, räumte mit ihnen auf … und schreien lies ich sie nie.

Als mir das erste Mal die Frage „Du lässt die Kinder da aber auch mal schreien, oder?“ gestellt wurde, war ich total verwirrt. Warum sollte ich denn die kleinen Babys, die mir andere Eltern in ihre Obhut gegeben haben, schreien lassen?

Heute mit 33 Jahren und viel Weisheit in Form grauer Strähnen im Haar habe ich verstanden, was man sagen wollte: Babys sollen den Erwachsenen nicht auf der Nase herumtanzen. Sie sollen ihren Willen nicht durchsetzen. Das habe ich inzwischen verstanden und sehe es komplett anders. Im Alltag ist es nicht immer leicht umzusetzen, aber Kinder sind eigenständige Personen, deren Bedürfnisse ebenso zählen wie die der Eltern.

Im Babyalter ist das ganz einfach: die kleinen Wonneproppen versuchen nicht, ihre Eltern zu manipulieren. Sie haben Grundbedürfnisse nach Nähe, Hunger, Schlaf. Es ist gut und richtig, wenn Eltern „sofort springen“, um die Bedürfnisse zu erfüllen. Wenn Kinder älter werden, mag es anders aussehen, aber auch hier ist „Schreien lassen“ oder seinen Elternwillen-durchsetzen nicht der goldene Weg. Im Rahmen einiger Regeln, die wir für wichtig halten (Schlafenszeiten, gemeinsame Malzeiten, kein Fernsehen und Süßigkeiten unter der Woche), dürfen unsere Kinder beispielsweise durchaus Bedürfnisse haben, die beachtet werden. Wir versuchen dann Kompromisse zu finden und zu verhandeln.

Deine Eltern oder Schwiegereltern sehen das anders? Dann kündige ihnen schonmal an, dass du sie im Alter auch schreien lassen wirst, wenn sie auf deine Unterstützung angewiesen sind.

#3 Mythos: „Kinder brauchen ihre Mutter“

Nicht falsch verstehen: Wir Mamas sind toll und unsere Kinder würden uns wahrscheinlich nie freiwillig hergeben. Hier geht es um einen bestimmten Kontext: Dieser Satz wird häufig als Argument gegen eine Betreuung durch den Vater oder den Kindergarten ausgesprochen. Dabei gibt es viele Gründe, warum wir Kindergärten lieben sollten. Und Papas!

Viele Frauen (nicht alle) spüren eine fast magische Verbindung zu ihrem Kind und bauen während der Schwangerschaft bereits eine tiefe Beziehung auf. Mama und Kind wirken dann tatsächlich häufig wie eine ineinandergekuschelte Einheit, die kein Außen braucht. In der Regel ist dies nur eine Momentaufnahme und der Papa kann schon früh ein Teil dieser Einheit werden. Kuscheln, wickeln, spazieren gehen, vorsingen, in den Schlaf schaukeln. Auch zu Papa baut das Baby schnell eine magische Verbindung auf, wenn Wert auf viel gemeinsame Zeit gelegt wird.

Wen das Baby braucht und um sich haben möchte, hängt also gar nicht davon ab, in welchem Bauch es einst getragen wurde. Wichtiger ist: Wie viel Zeit nimmt sich Mama? Wie viel Zeit nimmt sich Papa? Ist vielleicht auch die Oma sehr präsent im Babyleben oder der Onkel? Auch eine Tagesmama kann eine sehr intensive und schöne Beziehung zu einem Baby oder Kleinkind aufbauen. Dann braucht das Kind Mama nicht rund-um-die-Uhr, sondern genießt die Zeit mit seinen anderen Vertrauenspersonen.

Wie kann man eine Beziehung zu einem Baby/Kind aufbauen?

  1. Mit dem Kind sprechen.
  2. Dem Kind vorsingen.
  3. Intensiven Augenkontakt mit dem Kind halten.
  4. Ggfls. im selben Raum schlafen.
  5. Das Baby massieren.
  6. Auf Bedürfnisse des Kindes (Weinen, Schreien, Bitten) reagieren.
  7. Mit dem Kind kuscheln.
  8. Bücher vorlesen.
  9. Gemeinsam spielen und zuhören.

Sei einfach so, wie du sein möchtest!

Es gibt unzählige Mythen rund ums Familienleben, mit denen wir gar nicht unsere Zeit verschwenden sollten. Machen wir es einfach so, wie wir es für richtig halten. Ist wichtig, was andere von uns halten? Oder ist nicht vielmehr wichtig, was wir selbst von uns halten? Ich würde sagen Zweiteres.

Lassen wir die Mythen hinter uns. Es macht Spaß, sie zu ignorieren und eigene Wege zu gehen. Ich selbst habe zum Beispiel nicht die Reihenfolge Ausbildung – Job – Heirat – Kinder eingehalten und war nicht einmal klassisch in Elternzeit. Familien können und sollten ganz individuell sein. Mutterschaft ist halt, was du draus machst.

deine

Schriftzug Dresden Mutti

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Ein Kommentar zu „Mutterschaft ist, was du draus machst.

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  1. Liebe Nadine!
    Ich freue mich, dass dich mein Artikel zu diesem Beitrag inspiriert hat. Gefällt mir sehr!:-) Und JA, du hast recht, es lohnt sich sehr, zu hinterfragen, welche Absicht hinter solchen, vermeintlich selbstverständlichen Aussagen und Fragen steht! Was mich direkt zum Lachen gebracht hat, war der Satz „Deine Eltern oder Schwiegereltern sehen das anders? Dann kündige ihnen schonmal an, dass du sie im Alter auch schreien lassen wirst, wenn sie auf deine Unterstützung angewiesen sind.“ Den werde ich mir merken, falls mal wieder jemand anzweifelt, dass die Bedürfnisse von Kindern genauso viel wert sind wie die Erwachsener und dass kein Baby oder Kleinkind weint um uns zu manipulieren.
    Herzlichen Gruß, Sarah

    Gefällt 1 Person

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