Über unsere ersten zwei Wochen mit zwei Schulkindern

Zwei Wochen, zwei Kinder, zwei Schulen. Huch, was haben wir uns denn da angetan? Zwei Kinder auf zwei verschiedenen Schulen sind, wie zu erwarten war, ganz schön ANSTRENGEND und wir kommen bisher kaum zur Ruhe, um die spannende erste Zeit unseres i-Dötzchens zu reflektieren. Das möchte ich hiermit gern nachholen und drücke in all dem Trubel einfach mal kurz die Stopp-Taste.

Was bisher geschah: Mini besucht seit zwei Wochen die Waldorfschule und stiefelt morgens – trotz dass sie schon 7 Uhr zum Bus gehen muss – fröhlich und gern los. Die anderen Kinder nennt sie tatsächlich schon Freunde, mag ihre Lehrerin sowie die Erzieherinnen und die anderen Fachkräfte, die in der Klasse mitwirken. Ein bisschen enttäuscht ist sie allerdings auch von dem ganzen Schul-Hype, da sie bisher so wenig gelernt hat. Rechnen, Schreiben, Lesen … Das kann sie ja immer noch nicht! Und ich fühle mich direkt in meine eigene erste Schulzeit zurückversetzt, wenn sie davon erzählt, denn ich habe es 1994 genauso empfunden: ich wollte sofort loslernen statt Zuckertüten auszumalen oder Formen nachzuzeichnen. Wann kann ich endlich ein Buch alleine lesen und hohe Zahlen miteinander addieren?

Erste Woche: Unterstützung von der Oma

Den Schuleingang unserer kleinen Tochter haben wir wieder in großer Runde zelebriert. Wie beim langersehntsupertollherzklopfenerregendphantastischen Tag der Einschulung meiner großen Tochter vor zwei Jahren feierten wir gemütlich im Garten bei Kaffee und Kuchen und nachher wurde noch der Grill angeschmissen. Die Zuckertüten haben wir leider vergessen zu zählen, wie uns auf Nachfrage bewusst wurde. Das sagt andererseits auch schon viel: es waren eine Menge! Eine Menge Nascherei, eine Menge schöne Kleidung und eine Menge Stifte, Blöcke, Bücher und Spielsachen.

Ich bat meine Schwiegermama nach dem Party-Wochenende noch ein paar Tage zu bleiben, um uns in der ersten Woche zu unterstützen, damit wir uns einspielen konnten. Und das erwies sich tatsächlich als sehr gut, denn so konnte sie nachmittags Mini entspannt von der Schule abholen und war wieder zu Hause, wenn Maxi aus der Schule kam. Ich trudelte dann auch irgendwann ein und am Abend dann auch mein Mann.

In der zweiten Woche dann mussten wir allerdings ohne die Unterstützung auskommen und uns selbst organisieren: Maxi geht morgens zu einer Freundin, von der aus sie gemeinsam in die Schule starten. Mini wird von meinem Mann im Bus zur Schule begleitet (etwa 7 Minuten Fahrzeit). Nachmittags hole ich Mini um 16 Uhr von der Schule ab und Maxi kommt alleine nach Hause – im Idealfall findet sie jemandem, der ihr die Wohnungstür aufschließt oder schafft es selbst. Leider sind unsere Altbautüren mürrisch und nicht immer gewillt, kleine Schulkinder hineinzulassen.

Herausforderung 1: die Busfahrten

Wir hatten geplant, dass wir Mini ein paar Wochen – vielleicht bis zu den Herbstferien, vielleicht auch bis Weihnachten – mit dem Bus begleiten würden und sie danach alleine fahren kann. Das klingt in der Theorie gut, aber in der Praxis merken wir: es ist schwierig und wird sich ggfls. auf das erste Schuljahr ausdehnen. Sowohl morgens als auch abends sind die Busse supervollgestopft, sodass der kleine Knirps mit dem großen Ranzen keinen Sitzplatz bekommen wird, sondern irgendwie mitten im Bus steht. Die Busfahrer mit ihrer rasanten Fahrweise sind auch eine Nummer für sich …

Unsere Fragen: Wie soll das kleine Mädchen den Haltewunsch-Knopf betätigen, wenn es aussteigen muss? Wie soll sich das kleine Mädchen durch den Bus kämpfen, um aussteigen zu können? Wie handelt das kleine Mädchen, wenn sie nicht aus dem Bus gekommen ist, sondern erst an einer der kommenden Stationen aussteigen kann?

Mini braucht noch etwas Übung, Reife und Selbstbewusstsein, bevor wir die Busfahrt der fast 7-jährigen zutrauen. Bis dahin bringen wir sie zur Schule und holen sie auch wieder ab.

Herausforderung 2: außerschulische Aktivitäten

Auch wenn das Bringen und Abholen der kleinen Tochter uns Eltern Zeit kostet, könnte das Leben mit zwei Schulkindern recht entspannt sein – wenn wir nicht inzwischen fest in „außerschulischen Aktivitäten“ eingebunden wären. Theoretisch sieht der Wochenplan wie folgt aus:

Montag: Maxi hat Blockflötenunterricht.

Den Montag richte ich mir vorübergehend als festen Homeoffice-Tag ein, sodass ich in der Mittagspause Mini von der Schule abholen kann. Das schaffe ich in 45-60 Minuten. Während ich nachmittags arbeite, muss sich Mini allein beschäftigen, worin wir noch Übung benötigen. Auch nach der langen Coronazeit akzeptiert sie nicht, dass ich auch mal zu Hause arbeiten muss und mich dann nicht mit ihr beschäftigen kann. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir den einen Nachmittag (es geht um 2,5 Stunden) noch als Routine eingeführt bekommen.

Maxi kommt allein nach Hause, sodass wir dann entspannt zur Blockflöte aufbrechen können. Mini bleibt in der Zeit allein zu Hause, was sie nicht wirklich gut findet. Auch eine Übungssache.

Mittwoch: Mini hat Tanzunterricht.

Mittwochs breche ich eine Stunde eher von Arbeit aus, damit ich Mini abholen kann und wir pünktlich zu ihrer Tanzstunde kommen. Diese startet 16 Uhr. Maxi bleibt allein zu Hause oder besucht eine Freundin. Die verlorene Stunde hole ich dann an diesem oder einem anderen Abend nach.

Donnerstag: Maxi geht zum kreativen Singen, Mini möchte zum Gärtnern.

Der Donnerstag ist verhältnismäßig entspannt, weil das kreative Singen erst um 17:15 Uhr startet. Bis zu dieser Zeit habe ich beide Kinder zu Hause und konnte vorher normal 8 Stunden arbeiten. Zudem besucht Maxi den Kurs mit einer Freundin, sodass ich mich mit dem Bringen und Abholen mit der anderen Familie abwechseln kann.

Das Gärtnern haben wir im letzten Jahr sehr regelmäßig besucht, doch im neuen Schuljahr werden wir es nur sporadisch in den Nachmittag einflechten können. Ein paar Kompromisse muss man schließen. Es startet leider schon um 16 Uhr, was ich zeitlich kaum schaffen kann.

Freitag: Maxi und Mini wollen zum Offenen Atelier.

Das Offene Atelier machte den Kindern vergangenes Jahr ebenfalls viel Freude, weil man mit Ton oder verschiedenen anderen Materialien arbeiten konnte. Es findet in einer großen Werkstatt unter künstlerischer Leitung statt. Auch das offene Atelier startet 16 Uhr – da es nicht weit von Maxis Schule entfernt ist, werde ich mit ihr besprechen, ob sie alleine hingehen möchte (oder mit einer Freundin). Einziger Nachteil ist, dass sie den Schulranzen sowie die Schwimmsachen dorthin tragen muss.

Für Mini wird es zeitlich nicht möglich sein, auch am Offenen Atelier teilzunehmen. Auf der anderen Seite legt die Waldorfschule unter anderem einen Schwerpunkt auf künstlerische Erziehung sowie Handarbeit, sodass sie das Offene Atelier auch gar nicht noch zusätzlich „braucht“, wohingegen Maxi meinte, sie hätte gerne noch „viel mehr Kunst“. Für sie ist dieses Angebot also wirklich toll.

Und die Eltern?

Für uns Eltern bedeutet die Schulzeit von Mini wieder eine große Umstellung. Mein Mann und die Kinder müssen deutlich eher aufstehen, damit alle drei um 7 Uhr das Haus verlassen können. Die Schule meiner jüngsten liegt zudem nicht mehr „auf dem Arbeitsweg“, sodass mein Mann erst zu der Schule und dann zu seiner Arbeit fahren muss.

Für mich sieht es nachmittags ähnlich aus: der Kindergarten lag für mich bequem und fußläufig auf dem Weg nach Hause. Jetzt radle ich nach Hause und fahre dann mit dem Bus zu Mini, die ich erst nach 16 Uhr abholen soll (zwischen 15:30 und 16 Uhr ist Vesper). Wir sind dann gegen 16:30 Uhr zu Hause – eine Stunde später als zur KiTa-Zeit.

Auch wenn es für uns alle anders geworden ist und wir weniger Freizeit haben, bin ich froh, dass die Zahnrädchen trotzdem gut ineinandergreifen und alles passt. Zudem hat sich in der Vergangenheit oft genug gezeigt, dass sich das Leben ständig ändert. Es handelt sich also auch hierbei nur um eine Momentaufnahme, die nächstes Jahr schon wieder ganz anders aussehen wird.

Wie hat sich dein Leben mit der Schulzeit der Kinder verändert?

deine

Schriftzug Dresden Mutti

5 Kommentare zu „Über unsere ersten zwei Wochen mit zwei Schulkindern

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  1. Wow, klingt spannend – und, ehrlich gesagt, auch ein bisschen stressig!…;-) Ich staune, wie viele Extraaktivitäten neben der Schule eure Mädchen noch bewältigen. Aber Musik und Kunst machen sicher Freude und sind die weiteren Wege für euch alle wert! Herzlich alles Gute für eure Kleine-Große zum Schulstart – unser Großer hat nach unserem Bundeslandwechsel noch ein Jahr im Kindergarten, was ich für ihn – und uns – gerade gar nicht schlecht finde, zumal er sonst bei der Einschulung noch nicht mal sechs gewesen wäre!:-) Viele Grüße, Sarah

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    1. Hey Sarah, bei uns ist es genauso. Die Mini wird nächste Woche schon 7. Würden wir noch in Bonn wohnen, hätte sie bereits Klasse 1 hinter sich gebracht, aber für uns passt es so nun auch gut. Die Mini hat aktuell nur noch den Tanzkurs und meine große Tochter spielt Blockflöte und geht mit ihrer Freundin donnerstags noch singen 🙂 Aber es stimmt. Wir haben in der „langweiligen“ Coronazeit viele Aktivitäten begonnen. Leider können wir nicht alles fortführen – gerade das Buddeln im Garten ist eigentlich schon schön für die Kids gewesen und auch das Offene Atelier (beides kostenlose Angebote in unserem Kulturtreff). Aber die Schule lastet natürlich auch gut aus – und das Spielen zu Hause ist sowieso das Schönste.

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  2. Na? Hier ist es ähnlich, obwohl beide Kinder ja zusammen in die Schule gehen. Aber die Kleine fängt eher an, weil die Testung noch etwas länger dauert. Aber sie war nach dem ersten Tag auch enttäuscht, dass noch nix mit Lesen und Schreiben losgeht. Hinbringen soll ich sie aber noch, da geht sie gern noch an meiner Hand bis kurz vor die Tür. Die Große will ja nur noch mit ihren Freundinnen gehen.

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    1. Ebenfalls na 🙂 Meine Große geht auch nur noch mit ihren Freundinnen hin und wieder zurück. Das ist schon toll und eine Erleichterung. Bei der Mini wird es sich noch einspielen, aber alles braucht seine Zeit. Wegen der Testung muss sie schon recht früh los. Das wird vor der Schule gemacht. Ansonsten würde es auch reichen, wenn sie 7:30 Uhr den Bus nimmt. Es sind ja nur 7 Minuten Fahrt.

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