Welche Schule für mein Kind? Oder: Wieso unsere Kinder verschiedene Schulen besuchen

Für die meisten Leute in meinem Umkreis war relativ klar, dass wir nach dem ersten langen Weg zur Waldorfschulanmeldung, der letztlich gescheitert war, auch unsere kleine Tochter auf eine städtische Schule schicken würden. Mein Mann meinte: „Ist es nicht praktischer, wenn die Mini auf die kleine Schule wie die Maxi kommt?“ Zwei Kinder, eine Schule, ein Schulweg. Man kennt die Lehrkräfte, den Hort, die Angebote, die Kosten und den Ablauf … Ja, klingt logisch, aber wir entschieden uns trotzdem dafür, beide Kinder auf verschiedene Schulen zu schicken.

Nehmen wir wieder die gleiche Grundschule wie beim älteren Kind?

Geschwisterkinder werden in der Regel bevorzugt an der gleichen Grundschule wie das erstgeborene Kind angenommen. Für uns ist die städtische Schule ein Segen: sie liegt gerade einmal 10-15 Minuten Fußweg entfernt und Maxi (8 Jahre) läuft inzwischen alleine bzw. mit Freundinnen den Weg morgens hin und nachmittags wieder nach Hause. Wie bequem wäre es, wenn sich auch Mini der Laufgemeinschaft einfach anschließen würde? Das Leben für uns Eltern würde sehr viel entspannter werden.

Mit den Geschwistern können die jungen i-Dötzchen viel schneller ohne Eltern ihren Schulweg bestreiten. Das ist ein großer Vorteil, keine Frage. Was mir fehlt ist der Blick aufs Kind selbst, sein Wesen, seinen Charakter, seinen individuellen Weg. Ist das Geschwisterkind immer nur das jüngere Abbild der/des älteren Kindes? Wir schauen bei Nummer 1 lange nach dem perfekten Kindergarten – noch länger nach der perfekten Schule. Und bei Kind 2 wird es dann einfach „das gleiche Menü bitte“?

Dabei haben wir uns für Maxi auch eine andere Schule ausgesucht, letztlich aber keinen Platz bekommen. Da stellt sich die Frage erst recht, ob „das gleiche Menü“ für ein anderes Kind überhaupt das richtige ist. Ich habe mich schließlich entgegen der Bequemlichkeit dafür entschieden, auch meine Mini an der Waldorfschule anzumelden.

Natürlich hatte ich wenig Hoffnung, da wir nach dem gescheiterten Anmeldeprozess vor 2 Jahren etwas frustriert waren. Lag es an uns? Haben wir die Fragen schlecht beantwortet? Passen wir nicht zur Schule? Oder hatten wir einfach Pech? Die Wahrscheinlichkeit auf ein sich wiederholendes Szenario aus viel Arbeit und wenig Erfolg schien groß. Doch es kam anders.

Ein Kind auf der städtischen Schule, ein Kind auf der Privatschule

Die richtige Schule für die eigenen Kinder zu finden, ist nicht leicht und leider sehr dem Zufall überlassen. Tatsächlich haben wir für beide Kinder das komplette Bewerbungsverfahren durchlaufen inklusive

  • 3 Informationsveranstaltungen (Pflicht)
  • Elterngespräch
  • Waldorf-Schuluntersuchung
  • Kinder-Test – Unter Anwesenheit der Eltern
  • Kinder-Test ohne Anwesenheit der Eltern

Maxi erhielt eine Absage. Mini erhielt eine Zusage.

Sollten wir uns für die Mini freuen oder wollten wir es uns doch noch einmal anders überlegen? Auch die Kinder zeigten ihre Enttäuschung: „Ich möchte aber auf die gleiche Schule wie Maxi!“ – „Ich möchte, dass Mini auf meine Schule kommt.“ Und da waren sie auch wieder die Gedanken um ein entspannteres Leben mit zwei Kindern auf einer Schule.

Wollen wir wirklich

… morgens und nachmittags bis zur Waldorfschule laufen anstatt zu Hause auf die Kinder zu warten, die alleine den Rückweg nehmen können? Im Endeffekt ist die freie Waldorfschule auch nur 30 Gehminuten entfernt. Das kann man gut laufen oder mit dem Fahrrad fahren – oder sich die Stunde sparen. Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?

Neue Schule.

Neuer Hort.

Neuer Elternrat.

Neuer Essensanbieter.

Viele zusätzliche Kosten.

Neuer Schulweg.

Neue Anforderungen.

Komplett andere Pädagogik.

Was solls. Wir feiern den langersehntsupertollherzklopfenerregendphantastischen Tag der Einschulung dieses Mal in der Waldorfschule. Wir mögen das Konzept und ich lese auch gerade zwei Bücher über die Pädagogik, die mir sehr gefällt.

Mini wird es gut tun, die Waldorfschule besuchen zu dürfen.

Was ist da schon ein aufwändigerer Start? Schnell wird das Kind allein seinen Schulweg bewältigen und die restlichen Jahre – wenn es sehr gut läuft sogar 13 Jahre bis zum Abitur – den Weg alleine gehen oder fahren. Sie erhält eine Ausbildung, die sie auch tiefgreifend handwerklich, sprachlich und künstlerisch fördert. Mini liebt Bewegung. Sie „begreift“ Dinge gern mit den Händen und mit stundenlanger Geduld. Für sie ist die Waldorfschule ein Weg, den wir uns schöner kaum wünschen konnten.

Und Maxi? Sie wird ihren eigenen, ganz anderen Weg gehen. Ob sie als Geschwisterkind einmal aufrücken darf? Das kann durchaus passieren, aber jetzt erst einmal werden wir unsere beiden Kinder an zwei verschiedenen Schulen einschulen. Und das ist okay so.

Würdest du deine Kinder auf zwei verschiedene Schulen schicken?

deine

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