Vom langersehntsupertollherzklopfenerregendphantastischen Tag der Einschulung

Hurra, ich hab ein Schulkind!

Ein neuer Lebensabschnitt hat begonnen und wir läuten ihn traditionell sächsisch mit viiiiiielen Süßigkeiten ein. Das ist nicht übertrieben, ganze 19 Zuckertüten habe ich gezählt und wenn du nachzählst und nur auf 17 kommst, dann hast du schon recht, vier der Tüten habe ich nachher ineinandergesteckt entdeckt. Das Foto war aber schon gemacht und am Ende ist es vielleicht auch egal, ob es nun genau 19 oder doch 17 Zuckertüten waren, viele hat sie jedenfalls bekommen und mit Leidenschaft geplündert.

Wieso so viel? Na, wir feiern einfach für alle Bundesländer mit, die ohne großes Tamtam in die Schule kommen. Bei uns im schönen Sachsen ist das anders. Es folgt die lückenhafte Zusammenfassung unseres Schuleingangs.

Warum feiern die Sachsen den Schulanfang so groß?

Ein paar Worte möchte ich vorab noch an die Feier in Sachsen verlieren, denn sie ist das bedeutendste Ereignis im Leben eines Kindes, würde ich meinen, was vermutlich daran liegt, dass viele von uns Sachsen nicht kirchlich sind. Das heißt, dass wir weder Taufe noch Kommunion, Firmung oder Konfirmation feiern. Wenn überhaupt, kommt erst mit 14 Jahren die Jugendweihe und das ist doch reichlich spät, um sein Kind endlich mal gebührend und völlig übertrieben zu feiern. (Kann man dabei übertreiben?)

Also haben wir hier in Sachsen den Schulanfang zu unserem Kinderfest der Kinderfeste auserkoren, bei dem wir die Kleinen mit Süßkram überschütten und gebührend hoch leben lassen – mit der ganzen buckligen Verwandtschaft! Damit das auch klappt, liegt der Tag günstig am Sonnabend vor dem ersten Schultag und nicht wie „im Westen“ mitten in der Woche. Morgens geht´s in die Schule und dann wird bis in die Nacht gefeiert.

Was kommt in die Zuckertüte?

Mich hat seiner Zeit im Buch „Warum französische Kinder keine Nervensägen sind“ gefallen, dass die französische Mutter die Zuckertüte ihrer Sprösslinge bis oben hin AUSSCHLIEßLICH mit Süßigkeiten gefüllt hat und sogleich wuchs auch in mir der Entschluss: das mache ich genauso. Mir gefiel dieser Gedanke der hemmungslosen Völlerei, der überhaupt nicht zu unserem Erziehungsstil passt und gerade deshalb dann doch wieder: die Einschulung ist etwas Besonderes und da muss alles ein bisschen aus der Reihe tanzen.

Von Freunden, Bekannten und der Familie bekam Maxi aber auch viele schöne, sinnvolle Geschenke wie einen Schreibtischstuhl, Bücher, eine Armbanduhr, Stifte, Tafelkreide, eine Schürze usw. Zudem schenkten meine Eltern ihr ein niegelneues Fahrrad!

6 Uhr: Morgenstund hat Gold im Mund

Einen Wecker haben wir am Tag selbst nicht gebraucht, denn Punkt 6 Uhr stand Maxi schon in ihrem Kleid parat, zog die Schühchen und ihre weißen Söckchen an und wollte, dass ich ihr die Haare mache. Pardon, wer ist dieser kleine aufgekratzte Mensch und warum lässt er mich nicht schlafen?… Aber gut, auch in mir kochte die Aufregung und ich hätte kaum mehr länger schlafen können. Zwar hatte ich die Kuchen bereits gebacken (Apfelkuchen und Muffins), die Zucchini-Suppe vorbereitet, aufgeräumt, geputzt, gebügelt usw., aber ein paar Kleinigkeiten gibt es ja immer noch zu erledigen.

Nach einem stärkenden Frühstück bauten wir draußen die geliehenen Biertische auf. An Pavillons, die unsere Freunde zur Verfügung stellten, hing schon bunter Schmuck, denn auch eine andere Familie aus dem Haus feierten Einschulung und hatte schon am Abend einiges vorbereitet. Wir machten direkt mal eine Doppelparty aus unseren Einschulungsfeiern.

9:30 Uhr: Die ersten Gäste stehen vor Tür

Die Schwester meines Mannes und sein bester Freund kamen schon früh zum Helfen für den Aufbau, was sehr praktisch war, so konnte ich in Ruhe Zöpfe flechten und alles bereitstellen wie Schulranzen und Zuckertüte ebenso wie Fotoapparat und Taschentücher; man weiß ja nie.

Etwas später trudelten meine Eltern, meine Schwester und meine Nichte ein, alle schick angezogen und alle ebenso aufgeregt wie wir.

11 Uhr: Die Feierlichkeit in der Schule

Wie ihr vielleicht mitbekommen habt, geht Maxi nun in unserem Stadtteil in die Grundschule, womit wir uns erst schwer getan hatten, weil sie als Problemschule verrufen ist. Der lange Weg der Waldorfschulanmeldung hatte bei uns aber leider nicht zum Ziel geführt und die städtische Grundschule unserer Wahl hatte uns ebenfalls eine Absage erteilt. So landeten wir nun hier.

Der Vorteil unserer Schule, den man nicht leugnen kann, ist die Entfernung: in wenigen Minuten standen wir schon vor der Turnhalle und wartete auf Einlass. Wir durften jeden mitbringen, den wir mitbringen wollen, und wir durften übrigens auch fotografieren. Ich weiß, dass einige Schulen da inzwischen sehr eigen sind bin froh, dass wir fleißig knipsen durften.

Das Programm in der Turnhalle sah so aus: Grundschüler der 4ten Klasse führten uns ein Theaterstück mit einer kleinen Maus auf, die gern alles lernen möchte, was Kinder in der Schule lernen. Dazu sang immer wieder ein Chor aus Kindern, aber sehr peppig und zum Mitsingen anregend. Die kleinen Schulanfänger waren allerdings viel zu aufgeregt, um mitzutanzen.

Natürlich gab es auch noch ein paar Worte der Direktorin und der Lehrerin an die Eltern und die restliche Familie. Am Ende wurden die Kinder nach draußen geführt und bekamen von ihren Eltern eine große Zuckertüte überreicht.

12:30 Uhr: Zwischensnack im Garten

Für uns und alle, die schon da waren, hatte ich am Vortag einen riesigen Topf Zucchini-Suppe gekocht, den ich jetzt einfach aufwärmte, und den wir im Garten aßen. Danach verschwanden die Gäste zu einem Spaziergang an der Elbe und wie ich nachher erfuhr, hatten sie auch noch einen Abstecher zum Trödelmarkt gemacht.

15 Uhr: Zeit für Kaffee und Kuchen

Mein Mann und ich hatten dann Zeit, den Garten vorzubereiten und hinzustellen, was eben hinzustellen ist, wenn viele Gäste kommen. Die andere Familie trudelte dann mit ihrem Schulkind auch zum Nachmittag wieder ein (sie hatten in einem Restaurant Mittag gegessen) und die Kinder tobten fröhlich durch unseren Garten. Ich weiß gar nicht mehr, wie hoch der Zuckerpegel zu diesem Zeitpunkt schon war. Dann gab´s jedenfalls Kuchen. Unmengen Kuchen. Wir haben es uns richtig gut gehen lassen!

Neben unseren Freunden, deren Kind auch eingeschult worden ist, kamen noch mehr unserer Haus-Mitbewohner in den Garten, um mit uns zu feiern. Darüber hinaus kam jetzt auch meine Oma sowie meine bayrische Verwandtschaft, was ich wirklich toll fand. Leider tanzten sie auf zwei Schulanfängen gleichzeitig und musste halb 7 auch schon wieder weiter zur Sause Nummer 2.

19 Uhr: Essen, Essen und noch mehr Essen

Auch jetzt kann ich nichts von einer Kinderbespaßung berichten, sondern nur wieder vom Essen, aber das brauchte es auch gar nicht, weil die Kinder selbst so sehr mit sich und dem Krimskrams aus den Zuckertüten beschäftigt waren. Sie haben getobt, gespielt und zwischendurch Kuchen oder Nudelsalat in sich hinein gespachtelt.

Bei besserem Wetter hätte es noch ein Planschbecken gegeben, doch dafür war es zu frisch. Ich schreibe das hier, weil ich lustiger Weise gerade einen Artikel von Nieselpriem zum Thema Einschulung in Sachsen gelesen habe. In vielen Familien artet die Feierlichkeit sogar noch mehr aus als bei uns mit Hüpfburgen und Pony reiten – Vielleicht ist das eine Idee für in zwei Jahren, wenn die kleine Tochter in die Schule kommt? Übung haben wir ja jetzt.

Gegessen haben wir von einem reichlich gedeckten Buffet, bei dem jeder etwas beigesteuert hat. Außerdem wurde gegrillt und wir konnten essen und essen und essen, bis der oberste Hosenknopf heimlich geöffnet werden musste. Darum tragen Frauen ja meistens Kleider, da passt mehr rein.

Irgendwann am Abend…

… gingen die Kinder schlafen und für die Erwachsenen gab´s noch Selbstgebrannten und verschiedene alkoholische und nicht alkoholische Getränke. Kurz nach Mitternacht trugen wir uns schließlich auch selbst ins Bett und ein einschneidender Tag war beendet.

Nur so und nicht anders habe ich ihn mir vorgestellt, diesen langersehntsupertollherzklopfenerregendphantastischen Tag der Einschulung.

deine

4 Kommentare zu „Vom langersehntsupertollherzklopfenerregendphantastischen Tag der Einschulung

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  1. Ach das klingt nach einem tollen Tag! Richtig schön 🙂

    Übrigens haben meine Adleraugen sehr wohl ein Planschbecken erspäht. Das diente wohl aber eher dem Vergnügen der Erwachsenen 🤪

    Liebe Grüße,
    EsistJuli

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Urlaubspapa, Maxi ist gut in der Schule angekommen. Natürlich würde sie auch gern wieder in den Kindergarten gehen, aber so langsam gewöhnt sie sich auch an den Schul- und Hortalltag. Viele Grüße, Nadine

      Liken

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