Unsere Studi- & Azubi-Eltern – Was ist aus Ihnen geworden?

In jungen Jahren schon ein Kind bekommen, vielleicht sogar noch im Studium oder in der Ausbildung? Jeder von uns hatte seinerzeit wahrscheinlich so eine junge Mutter oder einen jungen Vater mit im Hörsaal oder im Klassenzimmer sitzen. Was ist wohl aus ihnen geworden? Konnten sie ihren Weg weiter gehen?

Ich mache mich auf die Suche nach diesen Müttern und Vätern und will mit Ihnen darüber sprechen, wie sie die frühe Elternschaft heute sehen.

Den Anfang mache ich selbst:

Wann hast du dein Kind bekommen? Wie alt warst du da?

Das erste Mal schwanger war ich mit 24 Jahren. Da begann gerade mein Masterstudium in der Gemanistik. Die Kinder kamen dann im zweiten und im vierten Mastersemester auf die Welt.

Was hat das für deine Ausbildung bedeutet?

Mein Mann nahm sich nach dem Bachelor-Studium eine Auszeit für die Kinder oder anders gesagt: er ging in Elternzeit. So blieb für mich Zeit, weiterhin zu studieren und meine beiden Nebenjobs auszuüben. Ich habe zum einen an der Uni als studentische Hilfskraft gearbeitet und zum anderen auf selbstständiger Basis Layout-Aufträge angenommen.

Das Studium war trotzdem deutlich anstrengender. Die Nächte waren kurz, die Schwangerschaften und das Stillen verbrauchten viele Kraftreserven. Als ich meine Masterarbeit schrieb, gab es nur noch: Kinder, Masterarbeit, Nebenjobs. Keine Freizeit und keine Freunde. Das war eine anstrengende Phase, aber sie dauerte nur 3 Monate und dann hatte ich meinen Abschluss.

War dein Partner/deine Partnerin ebenfalls noch in Ausbildung?

Nein, mein Mann war wie gesagt komplett in der Elternzeit. Unsere Kinder haben einen Altersabstand von knapp 16 Monaten, sodass er direkt 3 Jahre am Stück zu Hause blieb.

Wo bist du jetzt gelandet?

Inzwischen bin ich in einer Online Agentur gelandet, in der ich den ganzen Tag Texte schreibe. Ich arbeite als Online-Redakteurin, erstelle aber auch Content Marketing-Kampagnen. Alles in allem macht mir das momentan viel Spaß.

Denkst du, du wärst ohne Kinder jetzt schon beruflich weiter gekommen?

Ich denke schon, dass ich jetzt beruflich weiter wäre und auch andere Möglichkeiten gehabt hätte. Sicherlich hätte ich mich für Volontariate beworben wie z.B. im Verlag, aber da verdient man nicht genug, um eine 4-köpfige Familie finanzieren zu können. So habe ich zunächst eine Stelle an der Uni angenommen und bin nun in der Agentur angekommen.

Andererseits sehe ich auch, was meine Kommilitonen jetzt machen. Der Berufseinstieg ist immer schwierig. Einige haben schon gut Fuß gefasst, andere sind immer noch auf Arbeitssuche oder lernen etwas anderes. Der berufliche Werdegang wird eben nicht nur durch Kinder beeinflusst. Es kann sein, dass sie mir sogar Türen geöffnet haben.

Wie würdest du rückblickend bewerten, dass du in der Ausbildung Mutter/Vater wurdest?

Oft denke ich auch, dass es vielleicht einfacher ist, Arbeit zu finden, wenn man schon Kinder hat. So haben Unternehmen weniger Sorgen wegen Schwangerschafts-Ausfällen und Elternzeiten.

Andererseits ärgere ich mich, dass wir so wenig Elterngeld bekommen haben – im Gegensatz zu anderen Eltern. Wer finanzielle Sorgen vermeiden will, bekommt lieber später Kinder. Das ist schade und auch nicht fair. Jüngere Mütter belasten das Gesundheitssystem weniger und haben am Ende ihres Lebens genauso viel gearbeitet, wie andere Eltern.

Alles in allem war es für mich eine schöne Zeit, als ich meine Kinder bekam. Ich hätte nicht noch älter werden wollen, ohne diese tollen, kleinen Menschen um mich zu haben. Natürlich ist es anders, Eltern zu sein, als man sich das ausgemalt hat (vor allem anstrengender), aber im Studium hat man so einige Freiheiten.

Kinder im Studium zu bekommen, war ziemlich schön, weil man so flexibel sein konnte. Ich konnte Pekip-Kurse besuchen, weil ich mir Seminare auf andere Zeiten gelegt habe. Meine Freunde hatten mittags Zeit, mit mir in die Mensa zu gehen oder wir haben den Nachmittag miteinander verbracht. Lernen konnten wir ja auch abends oder am Wochenende.

Natürlich hatte ich das Privileg, dass mein Mann zu Hause war. Ansonsten hätten wir viel mehr jonglieren müssen, wer wann welches Seminar/welche Vorlesung besuchen kann. Aber ich bin mir sicher, auch das hätten wir hinbekommen. Ich hatte im Master-Studium wenig Präsenz-Zeiten, sondern vor allem freies Arbeiten (Vor- und Nachbereitungszeiten, Ausarbeitung von Referaten und Seminararbeiten).

Wird es jungen Eltern schwer gemacht?

Aus finanzieller Perspektive schon wie oben beschrieben. Ansonsten bekam ich viel positivem Zuspruch. Ich durfte sogar hochschwanger ein Praktikum absolvieren und bekam eine Arbeitsstelle an der Uni, obwohl meine Kinder beim Jobeinstieg noch klein waren: Fast 2 Jahre war Maxi und 6 Monate Purzelchen.

Einmal nur wurde ich bei einem Vorstellungsgespräch gefragt, was ich mit den Kindern mache, wenn ich arbeiten gehe. Ich hatte wirklich auf der Zunge liegen, ob sie die gleiche Frage auch an Väter stellen? Das hat mich geärgert, aber leider habe ich die Frage nicht kommentiert.

Es gab auch Vorteile, eine Studi-Mama zu sein: In der Uni durfte ich einmal eine Seminararbeit später abgeben und im Nebenjob wurde mir Homeoffice angeboten.

Was hättest du gerne gewusst, bevor du Kinder bekommen hast?

Wie anstregend die erste Zeit mit den Kleinen für uns werden würde. Dann hätte ich mir Unterstützung suchen können. Es gibt nämlich Angebote wie Welcome-Engel, Familienpaten usw., von denen ich leider vorher nicht gewusst habe. Ohne Familie in der Stadt ist es nämlich gar nicht so leicht, durchzuhalten. Die Kids waren bis 23 Uhr wach und haben uns einfach keine Pause gegönnt.

Würdest du rückblickend etwas anders machen?

Ich finde es etwas schade, dass ich mir keine Elternzeit genommen habe. Wir hatten uns bewusst für Kinder entschieden und ich wollte beweisen, dass wir das auch super meistern. So habe ich mein Masterstudium zügig abgeschlossen und dann direkt mit Arbeiten begonnen.

Aber mal ehrlich: Was hätte ich verloren, wenn ich ein paar Monate oder ein Jahr Elternzeit genommen hätte – komplett ohne zu arbeiten?

Du bist auch eine Studi- oder Azubi-Mama / ein Studi- oder Azubi-Papa?

Wenn du auch Lust hast, uns von dir zu erzählen, dann schreib mir eine E-Mail an: dresdenmutti@gmail.com oder kontaktiere mich bei Facebook.

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