Corona-Ferien Tag 1: Das soll jetzt 5 Wochen so gehen?

Der erste Corona-Ferientag ist überstanden und ich füchte, unser CD-Player hat gerade den Geist aufgegeben. Die beiden Dinge stehen in keinem Zusammenhang, außer dass 5 Wochen ohne CD-Player bestimmt nicht gut laufen werden, aber Zusammenhänge hin oder her; ich weiß eh grad nicht so recht, wo mir der Kopf steht.

Homeoffice – Fluch oder Segen?

Natürlich habe ich großes Glück, dass ich im Homeoffice arbeiten kann, denn die Alternative ist „unbezahlter Urlaub“ und das trifft wohl gerade die meisten Eltern. Entweder man fällt ins finanzielle Loch (5 Wochen verschlucken ein komplettes Gehalt!) oder die Psyche kracht zusammen. Mein Glück besteht also darin, dass ich mir aussuchen kann, welches Elend micht trifft.

Seit Jahren klagen Eltern über die (Un-)Vereinbarkeit von Job und Familie und mit Corona kommt es ganz Dicke, denn wir müssen nicht mehr nur beides vereinbaren, sondern alles gleichzeitig erfüllen. Und alles alleine machen, was Schule, Kindergarten und Essensversorger für uns übernommen haben. Homeoffice, Homeschooling, Kinderbetreuung, Carearbeit. Wie soll das gehen?

Nun sind meine Kinder zum Glück schon 5 und 6 Jahre alt und meine Nichte 9 Jahre alt (sie kommt morgen Abend zu uns). Und ich bin vorbereitet. Mit einem Kleinkind zu Hause wäre klar, dass ich unbezahlt Urlaub machen müsste. So kann ich es auf einen Versuch ankommen lassen – Gestern war die Ruhe vor dem Sturm, heute wird es ernst.

Wie sah unser Tag aus?

6:30 Uhr

Corona Homeoffice
Mein Homeoffice-Arbeitsplatz

Da ich echt lange nicht im Home-Office war, starte ich mit technischen Hürden in den Tag, die sich zum Glück schnell lösen lassen. Meine große Tochter steht derweil neben mir und bettelt, fernsehen zu dürfen, dann schnappt sie sich zum Glück einen Comic und liest. Ich starte mit der Arbeit.

8:00 Uhr

Mein Homeoffice verlangt volle Konzentration, denn ich wollte am Morgen direkt das schwierigste Projekt wegarbeiten. Da beginnt es im Badezimmer zu dröhnen: der Mann föhnt sich die Haare. Meine kleine Tochter ist jetzt auch aus dem Bett gekrabbelt und steht verträumt neben mir.

Mein Mann: „Tschüs, ich gehe jetzt!“ – „Okay, wann kommst du wieder?“ – „Weiß ich noch nicht, so gegen halb 6 vielleicht.“

Weg ist er. Die Kinder frühstücken, holen sich dann Papier aus dem Drucker und malen, was erstmal ein gutes Zeichen ist.

8:30 Uhr

Jetzt möchte das große Kind mit den Hausaufgaben beginnen. Vorher helfe ich meiner kleinen Tochter noch beim Umziehen und formuliere in Gedanken neue Ideen für die Arbeit – der Spagat gelingt ganz gut. Maxi bekommt von mir die Hausaufgaben und ich setze mich an den Rechner. Weiter geht´s! Nun habe ich erstmal wieder viel Zeit.

8:40 Uhr

„Fertig!“ – Was? Maxi steht neben mir und hat in unter zehn Minuten einen Aufsatz geschrieben. Ich hatte mit etwas mehr Pause gerechnet.

„Mein erster Wackelzahn“ – geschrieben in unter 10 Minuten

Sie soll noch Seite 2 machen, sage ich ihr, und dann spielen gehen.

9:30 Uhr

Die Kinder haben keine Lust mehr zu spielen und betteln nach der Kinder-Kamera, die der Weihnachtsmann gebracht hat. Ich gebe nach, weil ich mich sonst gar nicht auf den Fachartikel konzentrieren kann, den ich jetzt endlich fertig schreiben muss. Die Zeit sitzt mir im Nacken.

9:50 Uhr

Die Kamera ist langweilig geworden und deshalb geht Maxi nun eine Runde in den Hof. Purzelchen spielt im Kinderzimmer. Alles ist gut. (Gegen Langeweile empfehle ich unsere liebsten Quarantäne-Ideen für Kinder.)

10:05 Uhr

Dann ist nichts mehr gut. Purzelchen steht neben mir und redet laut auf mich ein, weil sie ein Hörbuch hören möchte! Rausgehen ist keine Option!! Sie schreit!!! Ich sags „nein“, sie schreit lauter, ich sage „nein“ – Dann zischt sie ab, knallt die Wohnzimmertür und die Kinderzimmertür zu. KNALL! KNALL!

Kurze Zeit später höre ich „Das sind Bibi und Tina …“ aus dem Nebenzimmer schallen, aber ich ignoriere es und komme endlich mit der Arbeit weiter. Was soll´s … Ich kann den „Kampf“ jetzt nicht austragen und eigentlich ist es auch egal.

11:00 Uhr

Wir machen ein Google Hangout unter den Arbeitskollegen, unser wöchentliches Jour fixe, was ganz witzig ist. Meiner Kollegin laufen ständig die Kinder ins Bild. I feel you!

12:00 Uhr

Das Telefon klingelt und Maxi nimmt ab. Es ist der Techniker aus meiner Firma, der mir auf dem Rechner VPN einrichten will und dann auch einrichtet. Nun habe ich Zugriff auf alle Dateien direkt von meinem heimischen PC aus und brauche mir die Dokumente nicht mehr von Kolleginnen zuschicken lassen, die noch im Büro sitzen.

12:30 Uhr

Zum Mittagessen gibt es Pizza und Nudeln.

Mittagspause. Wir essen die Reste der letzten Tage: Nudeln und Pizza gibt es auf dem Balkon, wo wir etwas Sonne tanken und wo die Kinder beschließen, sogar ihren Mittagsschlaf abzuhalten. Sie dürfen dabei auch Hörspiel hören (und schlafen natürlich nicht ein).

13 Uhr

Man möchte sich direkt dazu legen.

Ich nehme mich dem dritten Projekt des Tages an, was gut funktioniert, weil die Kinder friedlich auf dem Balkon liegen und Hörspiel hören. So bekomme ich richtig gut was weggearbeitet am Nachmittag.

14:20 Uhr

Die Kinder werden unruhig. Aller 30 Sekunden steht die Kleine neben mir und redet. Und redet. Und redet. Dann stapft sie durchs Zimmer und kommt rückwärts zurück … Hin her, hin her. Hin her, hin her. Was wollte ich nochmal schreiben? Meine Kernarbeitszeit läuft noch bis 15 Uhr. Dann habe ich auch die 8 Stunden voll, durchhalten …

„Ich mache euch gleich Waffel“, verspreche ich und versinke die letzten Minuten nochmal in Konzentration, bis ich die Stunden – uff! – endlich geschafft habe.

Oder haben diese Stunden mich geschafft?

Das machen wir nach dem Homeoffice

Wir haben nicht viel Homeschooling geschafft, deswegen macht Maxi jetzt noch eine Seite im Deutsch-Übungsheft und Purzelchen hilft ihr dabei. Tatsächlich sind die beiden sehr strebsam zusammen, stelle ich fest. Sie wollen die Aufgaben gemeinsam lösen. Dabei müssen sie erkennen, was auf einem Bild ist (Tulpe, Kohlmeise, Raupe …) und die Wörter darunter schreiben.

Was will uns dieses Bild sagen? – Die Kinder machen gemeinsam Hausaufgaben.

Ich backe nebenher die Waffeln. Nach dem Snack gehen die Kinder noch eine Runde in den Garten und ich sitze hier und habe tatsächlich noch Lust, unseren Tag zu verbloggen. Zum Teil war es wirklich hart, phasenweise aber auch okay.

Waffeln ❤

Ich halte die Ohren steif. Es ist nicht easy, aber irgendwie müssen wir da ja alle gerade durch.

Die Blumen gab es nachträglich zum Hochzeitstag gestern.

Bleibt gesund!

eure

Schriftzug Dresden Mutti

9 Antworten zu „Corona-Ferien Tag 1: Das soll jetzt 5 Wochen so gehen?“

  1. Avatar von Mone
    Mone

    Soll ich Dir sagen, wo meine Mami kitzlig ist? 😉 Ich habe morgen schon wieder eine Telko

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    1. Avatar von Dresden Mutti

      Hihi, ich auch. Aber mit Kunden … 🙈😂

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  2. Avatar von Daniela
    Daniela

    Ich habe heute meinen ersten Homeoffice-Tag. Unglaublich effizient… 😛
    Jetzt durften sie, nachdem der Große „Schulübungen“ gemacht hat (irgendwie bedeutend weniger, als ich erwartet hatte, warum habe ich überhaupt etwas erwartet?), eine Weile Playstation spielen. Endlich konnte ich mal eine Zeit lang am Stück arbeiten, uff.

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  3. Avatar von Alles auf Null: Unsere zwei Wochen in Isolation – Dresden Mutti

    […] mich funktioniert Homeoffice mit Kindern nur ein paar Tage oder für wenige Stunden am Tag. Sicherlich kann es auch klappen, dürfte man […]

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  4. Avatar von Und was machst du jetzt den ganzen Tag? – Corona ohne Arbeit – Dresden Mutti

    […] war ganz gut, die Vorausahnung am Tag davor hat sich allerdings auch bewahrheitet und bereits nach dem ersten Tag zeigte sich, dass Homeoffice plus Kinderbetreuung ein Kraftakt werden […]

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  5. Avatar von Tschüs Corona, hallo Leben – Ist das der Sonderzug nach draußen? – Dresden Mutti

    […] führen mag. Im Vergleich mit anderen Familien hatten wir großes Glück, da ich nur wenige Wochen Arbeit & Kinderbetreuung zusammen stemmen musste. Den kompletten April konnte ich bei 100 % Kurzarbeit (und damit 67 % […]

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  6. Avatar von Aus dem Jahr einer Anti-Heldin (Blogparade #HeldenStorys) – Dresden Mutti

    […] diesem fühlte ich mich gut gewappnet, stark und zuversichtlich. Allerdinge zeigte sich schon an Tag 1 der Corona-Zeit, dass Arbeiten, Kinderbetreuung und Homeschooling nicht so easy nebeneinander liefen wie in meiner […]

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  7. Avatar von Wie sind dann mal wieder in Quarantäne (Part 32 oder so) – Dresden Mutti

    […] Und Pizzaschnecken. Was ist ein Krankenlager ohne richtig viel, richtig leckeres Essen? Ich fühle mich ein bisschen in die erste Zeit der „Coronaferien zurückversetzt“: Und was machst du jetzt den ganzen Tag? – Corona ohne Arbeit. Ich habe in dieser Zeit gelernt, dass trotz guter Vorbereitung (Corona-Ferien: meine Vorbereitung auf Homeoffice, Homeschooling und Kinderbetreuung) Homeoffice und Kinderbetreuung für mich nicht zusammen funktionieren, auch wenn ich am Tag zuvor noch optimistisch war (Der Sonntag vor den Corona-Ferien oder auch Die Ruhe vor dem Sturm) und der der erste Tag einiger Maßen rund lief: Corona-Ferien Tag 1: Das soll jetzt 5 Wochen so gehen? […]

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  8. Avatar von Wir haben schon wieder Corona! – Dresden Mutti

    […] Lockdown wollte ich Homeoffice und Kinderbetreuung zusammen stemmen, was nicht funktioniert hatte. Schon der erste Tag Coronaferien gestaltete sich schwierig, nach 5 Tagen beendete ich das […]

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