Alles auf Null: Unsere zwei Wochen in Isolation

Was soll ich sagen? Meine Fenster sind geputzt, alle Hausaufgaben abgehakt und ich lümmel mit Notebook auf dem Balkon und lasse mir die Sonne auf die Nasenspitze scheinen. Auch habe ich 54 Mundschutzmasken genäht, Zitronenkuchen gebacken, morgens lange geschlafen (bis mindestens halb 7!), bin an der Elbe entlang spaziert und habe viel gelesen. Was ist passiert?

Homeoffice mit Kindern: eine blöde Idee?

Mein Homeoffice mit Kindern hatte ich gut vorbereitet und insgesamt lief die Woche gar nicht schlecht. Ehrlich gesagt, hätte ich schwören können, dass man mit Kindern gar nicht arbeiten kann. Also nicht 8 Stunden, aber von meiner 40 Stunden-Woche konnte ich doch 32 Stunden abarbeiten.

Was man dabei leicht übersieht: es ist dennoch eine extreme Belastung, auf zwei Hochzeiten gleichzeitig tanzen zu müssen! Da steckt man in einem komplizierten B2B-Fachtext und mitten im Gedanken hört man: „Mama, was muss ich hier machen?“. Das fragt die Erstklässlerin. Kaum habe ich den Faden wieder aufgenommen und bin dabei eine Struktur zu erstellen, dröhnen erneut Worte ans Ohr: „Mama, kann ich die Knete? Mama, schau mal mein Bild. Mama! Guck doch mal! Wie niedlich! Mama, ich habe Hunger. Mama!“. So quasselt die 5-jährige. Meine Nichte war soweit unkompliziert mit ihren 9 Jahren. Nur die Hausaufgaben wurden allein eher schleppend erledigt. „Ich weiß gar nicht, was ich hier machen muss.“

Hinzu kommt das schlechte Gewissen, wenn man die Kinder so ganz sich selbst überlässt. Mama ist da, hängt aber den ganzen Tag am Computer und Papa kommt erst abends aus seinem systemrelevanten Job nach Hause. Im Kindergarten wird täglich gebastelt, gesungen und man geht nach draußen in den Garten. Und zu Hause? Da sollen die Kinder plötzlich alleine Schulaufgaben machen und dann in ihrem Zimmer spielen gehen. Leise spielen. „Und könnt ihr mich jetzt bitte mal 10 Minuten arbeiten lassen?!“ Der Geduldsfaden reißt. Und das schlechte Gewissen bleibt.

Für mich funktioniert Homeoffice mit Kindern schon, aber nur für ein paar Tage in dieser Extremform. Besser würde es klappen, dürfte man abends arbeiten und insgesamt weniger Stunden.

Hausaufgaben
Hausaufgaben

Alles in allem: die superanstrengede Zeit (physisch und psychisch) wollte ich nicht 5 Wochen durchhalten. Oder länger. Da ist der Burnout nicht weit.

Wie geht´s jetzt weiter?

Meine ersten Überlegungen gingen in die Richtung, bis Ostern Urlaub zu nehmen, bezahlt und unbezahlt. So wäre der Druck komplett raus. Nach dem Wochenende hatte ich überlegt, dass weniger Arbeiten ja auch ginge und sprach das Thema Kurzarbeit bei meinem Arbeitgeber an, der auch tatsächlich schon plante, Kurzarbeit einzuführen. Und so kam es, dass ich im April gar nicht arbeiten werde und trotzdem 67 % meines Gehalts als Kurzarbeitergeld erhalte.

Gibt´s einen Haken?

Neben dem Verdienstausfall im April, bin ich jetzt wahrscheinlich auch Freiwild für die Arbeitsvermittlung. Sollte mir jetzt ein blöder Job angeboten werden, muss ich ihn annehmen, sonst bekomme ich eine Sperre des Kurzarbeitergelds …

blaue Tulpe
Die blaue Tulpe – ein Experiment für die Schule

Leute, ich sehe mich schon Spargel stechen, obwohl ich gar keinen Spargel esse … Ob ich wegen der Kinderbetreuung raus bin aus der Regelung? Das kann ich nicht vorhersagen, denn es kann sein, dass mein Mann doch irgendwann zu Hause ist. Dann könnte ich also aufs Spargelfeld.

Zu guter letzt stelle ich auch fest, was für einen labilen Beruf ich habe. Kaum tritt eine Krise auf, gehe ich als erste über Bord? Mich macht das die Tage sehr nachdenklich, auch wenn natürlich ebenso andere Berufe betroffen sind. Vom Verkäufer über den Busfahrer zum Friseur. Kellner sind genauso unnütz in der Krise wie ich, viele Selbstständige, Künstler und sogar Großunternehmen. Fluggessellschaften, Restaurants, Ladenbesitzer.

Die Wirtschaft ist am Boden. Erholung ist nicht in Sicht, weil wir nicht wissen, wie lange uns Cornona belagern wird.

Bleibt gesund!

Wie auch immer: bleibt gesund. Die Coronazahlen schnellen auch hierzulande in die Höhe und wir haben die Spitze leider lange nicht erreicht. Tatsächlich sind wir erst am Anfang und was in Italien los ist, kann in wenigen Tagen schon unsere Realität sein.

Bleibt also bitte zu Hause (wenn möglich) und haltet euch an die sächsische Allgemeinverfügung. Die besagt, dass man nur mit triftigem Grund nach draußen gehen soll. Ein Spaziergang mit den Kindern ist okay, aber im Wohnumfeld. Für uns sind das die Elbwiesen, auf denen wir um die Mittagszeit herum spazieren gehen. „2 Meter Abstand“, das wissen die Kinder.

Ich kenne die Gegenstimmen. Uns passiert das nicht, denn wir haben ein sehr gutes Gesundheitssystem in Deutschland. Italien, der Iran, Großbritannieren usw. hinken da zurück. Aber wir sind trotzdem bedroht! Ich weiß, es fühlt sich nicht so an, aber schau dir allein die Entwicklung in Sachsen an: Anfang März trat der erste Coronafall auf, Mitte des Monats waren es 105 und am 26. März standen wir bei 1.275 Infizierten (8 Toten). Das ist wenig? Ja, aber der Verlauf ist deutlich: Exponentielles Wachstum erreicht rasent schnell Zahlen, bei denen uns dann doch schwindelig werden wird. Wir müssen es wirklich ernst nehmen – und zu Hause bleiben.

Wie geht es den Kindern?

Meine Töchter genießen die Zeit zu Hause und haben derzeit kein Bedürfnis, wieder in Kindergarten und Schule zu gehen. Wie gut, dass sie sich selbst die besten Freundinnen sind. Sie streiten nicht, sondern sind einfach süß miteinander.

Sie können lange schlafen, gemütlich frühstücken, stundenlang Lego bauen oder mit mir einen Kuchen backen.

Elbwiesen Dresden
Spielen und Toben auf den Elbwiesen

Sie denken sich Spiele aus, malen und verkleiden sich. Im Grunde ist die Isolation wie ein Wochenende, das nicht endet. Einzig die Fragen „Wann dürfen wir wieder xy besuchen?“ oder „Wann können wir mal wieder ins Schwimmbad“ beschäftigen sie. Mindestens bis Ostern werden sie wohl noch warten müssen.

Kommt gut durch die Krise!

deine

Schriftzug Dresden Mutti

4 Kommentare zu „Alles auf Null: Unsere zwei Wochen in Isolation

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  1. Ein schöner Beitrag . Ich denke die Krise wird auch viele Gutes hervorbringen . Diese freie Zeit intensiv mit den Kindern zb .
    Ausschlafen bis halb 7 – ha ha ich erkenne mich wieder . Was arbeitest du nochmal ?

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo und lieben Dank. Inzwischen hat sich unser Tag, auch durch die Zeitumstellung, noch mehr verschoben. Es ist jetzt 8 Uhr und die Kinder schlafen noch; dafür sind sie bis mindestens 22 Uhr abends wach. Wir sind also absolut im Ferienmodus angekommen.

      Ich bin Online-Redakteurin in einer Online Marketing Agentur und wir arbeiten für verschiedene Unternehmen. Da es im Moment der Wirtschaft und somit auch den Unternehmen sehr schlecht geht, fällt das auch auf uns zurück … Hoffentlich kommen wir dank Kurzarbeit durch die Krise.

      Gefällt 1 Person

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