Aufräumen nach dem Montessori-Prinzip

„Die Aufgabe der Umgebung ist es nicht, das Kind zu formen, sondern ihm zu erlauben, sich zu offenbaren“ – Maria Montessori.

Warum räumen Kinder so ungern auf? Mein Mann und ich gehören zu den Eltern, die ihre Kinder und alle ihre Freunde frei spielen lassen. Wir räumen zwischendurch nicht auf, bestehen nicht auf Ordnung und wenn am Ende des Tages das Kinderzimmer eine absolute Chaos-Zone ist, dann wissen wir: es hat Spaß gemacht. Andererseits gibt es Methoden, dem Chaos von vornherein vorzubeugen.

Ich möchte dir einige Ideen zeigen, wie du frei nach dem Montessori-Prinzip das Kinderzimmer einrichten kannst, damit die Jungen und Mädchen besser spielen können und zugleich weniger Unordnung entsteht. Ermöglichen wir den Kleinsten, sich in einer kindgerechten Umgebung zu entfalten.

7 Tipps fürs Montessori-Kinderzimmer:

  1. Aufbewahrungsboxen beschriften
  2. Spielsachen auf Kinderhöhe anordnen
  3. Spielsachen in Körbe verteilen
  4. Körbe nur maximal zu 2/3 füllen
  5. Naturmaterialien anbieten
  6. Kreativ-Materialien zur Verfügung stellen
  7. nur ausgewählte Bücher ins Regal stellen
  8. Kinderzimmer in Bereiche teilen

Wie Maria Montessori: Zimmer einrichten leicht gemacht

Spielen macht doppelt so viel Spaß, wenn man seiner Phantasie und seinen Ideen freien Lauf lassen darf. Sollen etwa die Fillypferde nicht zusammen mit den Puppen im Legohaus wohnen dürfen, das gleich neben der Playmobil-Kirche steht und von wo aus man am besten mit dem Barbiebus zum Schleichtier-Zoo fahren kann? Doch, nur zu. Seid kreativ. Verbindet die Spielsysteme und habt Spaß.

Spielen macht Spaß

Soweit so gut. Die Frage ist: Warum räumen die Kinder denn danach nicht auf?

Wir alle haben einen natürlichen Spieltrieb und bei Kindern ist er noch viel stärker ausgeprägt. Statt Dinge wegzuräumen, stürzen sie sich schnell in neue Abenteuer oder Projekte und eigentlich ist diese Faszination beim Spielen auch total schön. Wenn sie nicht so unordentlich wäre … Hier unterstützt die Einrichtung. Gestaltet ein Montessori-Zimmer speziell für Kleinkinder oder auch größere Kinder! Auf diese Weise wird das Aufräumen einfacher und auch das Spielen.

„Hilf mir, es selbst zu tun“ – der Leitsatz im Montessori-Kinderzimmer

Ich nehme mir den Leitsatz der Montessori-Pädagogik als Grundsatz, der da lautet: „Hilf mir, es selbst zu tun.“ Genau das möchte ich erreichen: die Kinder sollen eine Spielumgebung vorfinden, in der sie selbst aufräumen können.

#1 Montessori-Zimmer für Kleinkinder: Beschriftungen anbringen

Meine Kinder fanden es sehr spannend, die Beschriftungen für die Körbe und die anderen Aufbewahrungsorte zu basteln. Wir suchten im Internet nach schönen Bildern, druckten sie aus und ich bastelte daraus kleine Schildchen für die Aufbewahrungsboxen. Durch die Bilder können die Kinder „lesen“, was in die Kisten gehört. So erkennen sie ohne Hilfe, an welchen Ort welches Spielzeug gehört und können es selbstständig aufräumen.

#2 Montessori-Zimmer für 2 Jahre alte Kinder: Spielzeug gehört auf Kinderhöhe

Spätestens mit 2 Jahren wollen Kinder alleine werkeln und ihre „Arbeiten“ aus dem Regal nehmen. Wir wohnen in einer Altbauwohnung mit gigantisch hohen Decken. Natürlich reizt es da, den Platz nach oben hin zu nutzen, aber Kinder brauchen Spielsachen auf Kinderhöhe. Mit einer passenden Höhe fördern Eltern sowohl das Spielen als auch das Aufräumen.

Aufräuem im Kinderzimmer

Ich habe verschiedene Boxen und Körbe deshalb auf Kinderhöhe platziert, um sie meinen Kindern, als sie klein waren, leicht zugänglich zu  machen.

#3 Warum nutze ich Körbe fürs Montessori-Zimmer (3 Jahre – 5 Jahre)?

Jungen und Mädchen im Kindergartenalter kommen am besten zurecht, wenn Spielsachen in offenen Körbe oder Boxen verstaut sind. In geschlossenen Schränken oder Schubladen würden die Spielsachen verschwinden – aus den Augen aus dem Sinn. So aber sind sie immer präsent und bespielbar. Das regt zum Spielen an und erleichtert die Orientierung im Kinderzimmer. Kein Kind muss lange suchen, wo sich die Barbies gerade befinden. Sie haben ihren festen Platz gleich neben dem Puppenhaus.

Dank der Körbe sind die Kinder selbst in der Lage, die Spielsache an diesen Stellen einzuordnen. Schwupp und schwupp kann jedes Spielzeug schnell wieder in den richtigen Korb geräumt werden. Körbe haben außerdem den Vorteil, dass sie quer durchs Zimmer getragen werden können, wenn das Spielzeug umher gewandert ist. Auch damit verringere ich die Hürde des Aufräumens.

#4 Montessori-Zimmer einrichten: Lasst Platz für mehr!

Aufkleber aufräumen

Im Kinderzimmer sammeln sich oft verschiedene Spielsachen an, die in Körbe aufgeräumt werden können. Hierbei gilt eine Faustformel zu beachten:

Füllt die Boxen und Körbe nur bis zu 2/3!

Die 2/3-Regel hilft euch dabei, Entspannung ins Kinderzimmer zu bringen, denn die optische Leere wirkt sich auch entlastend auf die Psyche aus. Zudem werden Spielsachen leichter wiedergefunden, wenn die Kinder nach ihnen in einer leereren Box „wühlen“ und die weniger gefüllten Boxen bieten Platz für mehr.

Nicht an jeder Stelle gelingt uns das. Barbies und Plüschtiere haben wir zum Beispiel in so großer Zahl, dass ihre Boxen kaum ausreichen und leider doch überfüllt sind. Dank der Körbe habe ich das allerdings im Blick und kann demnächst mal aussortieren und ein Paar Spielsachen wegnehmen (und im Keller lagern).

#5 Die Natur ins Montessori-Kinderzimmer (ab 2 Jahren) holen

Vielleicht habt ihr im ersten Moment nicht den Drang, euch die Natur nach drinnen zu holen. Macht das nicht nur Dreck im Kinderzimmer? Für Kinder haben Naturmaterialien jedoch eine angenehme Haptik und auf Ausflügen finden sie allerhand. Sie werden in Wäldern, Parks, entlang von Flüssen, rund um Seen oder auf Wiesen allerlei finden, das ihre Neugierde weckt.

Naturmaterialien fürs Montessori-Kinderzimmer

  • Stöcke
  • Federn
  • Eicheln
  • Kastanien
  • Zapfen
  • Bucheckern
  • Muscheln
  • Steine
  • und vieles mehr

Sicherlich kann Natur „Dreck“ machen. Stöcke können Rinde verlieren, Zapfen ihre Schuppen und Muscheln können zertreten werden. Trotzdem: Welches Kind sortiert nicht gern Kastanien und Eicheln oder türmt Steine übereinander auf?

Lasst eure Kinder die Natur begreifen – auch an Regentagen.

Im Gegensatz zu vorgefertigten Spielfiguren regen Naturmaterialen den Erkundungsdrang, die Phantasie und Kreativität der Kinder auf andere weise an. Steine, Muscheln und Kastanien werden:

  • sortiert.
  • geordnet.
  • angefasst.
  • geschmeckt.

Kurz: sie schulen die sinnliche Wahrnehmung von jüngeren Kindern. Stöcke können allerdings auch zum Leben erwachen und miteinander sprechen, Steine können tanzen, Muscheln fliegen. Naturmaterialien nehmen in der kindlichen Phantasie verschiedene Formen an und können zu Figuren in Geschichten werden.

Auch als Bastelmaterial sind die gesammelten Schätze ideal geeignet.

#6 Kreativ-Materialien fürs Montessori-Kinderzimmer ab 4 Jahren

Im Vorschulalter entwickeln Kinder eine neue Eigenständigkeit, die im Montessori-Kinderzimmer durch besondere Angebote gefördert wird. Neben den oben erwähnten Naturmaterialien sollte auch Kreativ-Material leicht zugänglich sein, damit sich Kinder ihrer „Arbeit“ widmen können.

Kreativmaterial nach dem Montessori-Prinzip – Welches Material brauchen Kinder?

  • Weißes Papier
  • Stifte
  • Buntpapier
  • Kleber
  • Schere
  • Stempel
  • Wolle

Welche Bastelmaterialien bei deinen Kindern gut ankommen, wird sich immer wieder ändern. Auch Perlen, Glitzer, Stoffe, Aufkleber, Farben, Pinsel, Knete, Tusche, etc. können im Kinderzimmer bereit gestellt werden. Meine Kinder lieben zudem Eierkartons und den Klassiker: Klopapierrollen. Daraus lässt sich so vieles herstellen!

Aufbewahren lässt sich auch das Bastelmaterial in Körben, Boxen oder kleinen Taschen:

#7 Bücher-Auswahl: Montessori-Kinderzimmer für Schulkinder

Bücher kann man nicht genug haben? Das finde ich auch. Das Problem ist, dass Kinder überfordert sind, wenn ihnen 200 und mehr Bücherrücken aus dem Regal entgegenblicken. Ordne lieber vereinzelte Bücher nach dem Montessori-Prinzip im Schrank an:

  • wenige Bücher pro Fach
  • mit der Vorderseite zum Kind
  • in Kinderhöhe

Die anderen Bücher sollst du natürlich nicht weggeben. Du kannst sie auf dem Dachboden, im Keller (falls trocken) oder in einer Kiste im Elternzimmer verstauen. Wir haben ausgemacht, dass die Bücher immer am Wochenende getauscht werden.

So treffen Kinder eine Bücherauswahl:

  • Welche Bücher möchtest du diese Woche lesen?
  • Welche Bücher möchtest du diese Woche anschauen?
  • Welches Malbuch oder Bastelbuch möchtest du diese Woche bearbeiten?
  • Welches Buch sollen die Eltern diese Woche vorlesen?

#8 Montessori-Kinderzimmer in Bereiche teilen: Spielen, Kreativsein & entspannen

Hier auf dem Bild erkennst du einen Spielbereich (links) und einen Kreativbereich (rechts):

Montessori Kinderzimmer

Neben diesen beiden Bereichen sollte es zudem noch eine Chill-Zone im Kinderzimmer geben, in der die Kinder entspannen können. Der Rückzugsort bietet einen gemütlichen Platz zum Lesen, Kuscheln oder Musikhören. Bei uns ist es ein großes Sofa, das praktischer Weise zugleich Schlafmöglichkeit für Übernachtungsgäste ist.

Richtet euch nach dem Prinzip ein „Weniger ist mehr“!

Der letzte Punkt scheint so logisch und doch steht man immer wieder im Kinderzimmer und weiß nicht, was man wegräumen könnte. Meine Kinder lieben es zu spielen – mit so vielen verschiedenen Sachen…

Wer zu viele Dinge besitzt, der kann auch viel Unordnung machen. Das gilt übrigens für Kinder wie Erwachsene gleichermaßen. Das Problem an Unordnung ist, dass sie sich auch auf unser Wohlbefinden auswirken kann. Wenn alles „zu viel“ und zu „chaotisch“ ist, fühlen sich Kinder gestresst. Haltet das Kinderzimmer also möglichst einfach und übersichtlich und räumt ab und zu Spielsachen einfach weg (z.B. in den Keller).

Wie findest du die Idee dess Montessori-Kinderzimmers?

deine

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9 Kommentare zu „Aufräumen nach dem Montessori-Prinzip

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  1. Ein sehr schöner und nützlicher Artikel. Gut finde ich vor allem die Idee, die Körbe nur zu zwei Dritteln zu füllen und Naturmaterialien ins Kinderzimmer zu holen.
    Wie ist das denn jetzt bei euch mit ein bisschen Abstand? Ist immer noch alles in den Körben und wie hat sich das auf das Spielverhalten deiner Kinder in den verganenen Monaten ausgewirkt?
    Liebe Grüße,
    Christina

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Christina, es ist immernoch so, dass wir die Körbe mit einem festen Platz im Kinderzimmer haben. Damit hat sich die Ordnung deutlich verbessert – aber zugegeben, ist es immernoch oft chaotisch. Wir müssen einfach mehr auf Ordnung beharren, täglich gemeinsam aufräumen… Ich übe noch. Wie macht ihr das?

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  2. Hier im Kinderzimmer ist gerade Lego großes Thema – und die perfekte Lösung habe ich noch nicht gefunden. Die Bauwerke stauben oft ein im Regal, sind nur halbfertig oder nach dem Spielen wieder auseinander gebrochen … Na ja, mein Sohn liebt es trotzdem heiß und innig.
    Viele Grüße, Christina

    Gefällt 1 Person

    1. Lego haben wir momentan noch ausgelagert. Das gibt es im Kindergarten und bei Freunden, zu Hause haben wir nur eine winzige Schachtel voll, mit der man nicht so viel anfangen kann (Wir haben noch Lego Duplo). An sich ist es aber immerhin ein forderndes und sehr kreatives Spielzeug 🙂

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